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    „Magscht en Bierle?“ schwäbelt mich John mit vorgehaltener Hofbräuflasche auf eine Weise an, die eigentlich meint: „Hier, nimm.“ Ich schaue rüber zu Claudia, sie nickt und signalisiert mir, dass die Frage über die weitere Fahrzeugführung des restlichen Tages zu meinen Gunsten beantwortet ist. Ich nehme die eiskalte Flasche in Empfang und stoße mit ihm an. In seiner Vesperbrett-großen Pranke sieht der halbe Liter nur noch halb so groß aus und genau so schnell ist die Flasche auch leer. „Und, hast Schiss?“ fragt er mich und lässt seine hellen Zähne aufblitzen, die in seinem mahagonifarbenen Teint aussehen wie frisch gebleached. „Schiss? Weshalb?“ Ich weiß ehrlich nicht, worauf er hinaus will. „Na, drei Monate man. Da kann alles passieren. Überfall, Krankheit oder der Karren verreckt. Des isch brutal man...“ Ich nehme einen Schluck und überlege. „Nein, eigentlich... Wir suchen ja keinen neuen Landweg nach Wladiwostok. Wir fahren durch Europa. Schiss... Nein, auf gar keinen Fall. Im Gegenteil.“ Als Nele geboren wurde, änderte sich unser Leben, wie Nachwuchs wohl bei jedem Paar das Leben grundlegend ändert. Ich meine damit nicht die Anschaffung von Windeleimer und Wickelkommode, ich meine die psychischen Veränderungen. Vielleicht kann man vom „Reifen“ sprechen. Ich bin jetzt fünf Jahre Vater eines bezaubernden, blonden Mädchens und diese fünf Jahre haben mich ruhiger und nachdenklicher werden lassen. Vor allem die aktuellen Verhältnisse in meiner Heimat, in meinem Europa, lassen in mir immer öfter die Frage aufblinken, wo dies wohl hinführen wird. Als geborener Ostdeutscher ist der Europäische Gedanke für mich etwas unumstößlich lebensveränderndes. 1989 war ich sechs Jahre alt, aber mit Glasnost und Perestroika, mit Europäischer Einheit und Friedfertigkeit, änderte sich mein Leben damals schlagartig, während ich im Bett lag, schlief und nicht die leiseste Ahnung davon hatte, welch unfassbare Veränderungen gerade in Gang gesetzt worden sind und was die Folge dieser Entwicklung sein wird. Ein vereintes Deutschland und ein friedliches Europa. Was vor ´89 vielen Bürgern noch utopisch vorkam, wurde bald Realität. Aber aus falschen Erwartungshaltungen und aus Enttäuschung formierten sich auch bald Gegner der neuen Zeit. Und nun, 30 Jahre später, wird in meiner Heimat, in meinem Europa, wieder rechts gewählt. Ist der Europäische Gedanke dem Untergang geweiht? Muss ich das hinnehmen, wenn Kunden meiner Hände Arbeit meine italienischen Kollegen als Spaghettis titulieren oder meine französischen Kollegen als Froschfresser beschimpfen? Natürlich nicht. Aber wie bringe ich das meiner Tochter bei? Wie erkläre ich Ihr, das Annäherung besser funktioniert als Abweisung? Vermutlich, in dem ich es Ihr einfach zeige. Aus diesen Gedankengängen heraus und im wohligen Bewusstsein dessen, dass wir mit unserem Bulli einen treuen Wegbereiter haben, der uns alles ermöglicht, entsteht der Plan einer dreimonatigen Calitour. Nele ist begeistert, als wir ihr von unserem Vorhaben berichten. „Wie nennen wir die Tour denn?“ fragt sie aufgeregt hibbelig. „Och...“ überlege ich. „Vielleicht:“ Dein Europa
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    Epilog Alles tut weh und meine Nackenmuskulatur ist angeschwollen, als hätte ich einen schweren Boxkampf mit ernüchternder Niederlage hinter mir. Nach 93 Nächten im Casa California nötigt mich meine Mutter, ihr Gästebett zu benutzen. Entgegen meiner Gewohnheit, auch in der Hofeinfahrt meines Elternhauses das Bullidach zu öffnen und meinen Schlafsack im Obergeschoss auszurollen, tue ich ihr den Gefallen, das inhäusige Nachtlager zu benutzen und bereue es bitter am nächsten Morgen. Ich bin zu alt für diese Aufblasbetten. Nach mehreren Tagen Seelenheil am wundervollen Ostseestrand reisen wir mit dreitätigen Kurzstopps bei unseren Eltern wieder heim. Ich bin gerne bei meinen Eltern, aber ich merke jedes Mal deutlicher, wie weit sich unsere Ansichten auf gewisse Dinge mittlerweile unterscheiden. "Schlimm ist das alles." ist eine gern wiederholte These, die dann jedes Mal aufs Neue bedeutungsschwer in den Raum gehängt wird. "Was denn?" frage ich dann auch jedes Mal aufs Neue, bekomme aber fortweg die selben Antworten. "Na wie sich das halt alles entwickelt hier." Das sei "nicht mehr normal". Bei der diesmaligen Wiederholung dieser Tirade denke ich daran, dass ich meinen Reisebericht zu "Dein Europa" ganz ähnlich begonnen habe. Auch mich beschäftigt die momentane Entwicklung, wenn auch meinen Gedankengängen andere Themen zugrunde liegen. Und "schlimm"? Schlimm finde ich die Bilder aus Aleppo, die mich auf eine verstörende Art an die Luftaufnahmen Berlins und Dresdens aus dem Frühsommer 1945 erinnern. Schlimm finde ich gewisse Entwicklungen in Europa, die sich diese schrecklichen Umstände zu eigen machen, zu Werkzeugen ihrer eigenen, menschenverachtenden Weltanschauung. Aber unser jetziges, konkretes Leben in Europa als "schlimm" zu bezeichnen... Nichts läge mir ferner. Gerade in Anbetracht unserer letzten drei Monate mit all seinen Nuancen an Kennenlernen neuer Freunde und neuer Gegenden, an entgegengereichten Händen, freundlicher Einladungen und Hilfestellungen, an durchweg positiven Erfahrungen in einem Teil unseres wunderbaren Kontinents, lassen mich etwas dünnhäutig auf die bereits so oft gehörte, aber jeglicher Grundlage entbehrende, Aussage reagieren: "Schlimm!? Was denn genau? Was ist denn so schlimm? Das wir gerade frische Brötchen vor uns liegen haben, mehr als wir essen können? Oder das wir in einem freistehenden Einfamilienhaus im mollig warmen Wohnzimmer sitzen? Mit Eurer Enkelin, die jedem Fremden mit einem herzerwärmenden Lächeln begegnet? Oder die drei nicht gerade preiswerten Autos vor der Tür? Oder der Umstand, dass wir an einem der sichersten Orte der Welt leben? Ohne Erdbebengefahr, ohne Katstrophenorkane, Taifune oder Bombenangriffe?". Eine Reise, ganz gleich ob drei Tage oder drei Monate, hat für mich persönlich den Effekt, den viele Menschen vom Jahreswechsel kennen. Rückblicke und Vorsätze sind das, was ich neben Erinnerungen aus dem Urlaub mit heim bringe. Dieses Mal genau so, vermutlich noch etwas intensiver. Nele "Jetzt ist die Party zu Ende." hast Du schmollend gesagt, als Dir die wohlbekannten Werbebanner von "tegut" und "Rossmann" am Ortseingang die unvermittelte Gewissheit gaben, wieder in dem Ort anzukommen, an dem der Bulli steht, wenn er nicht auf Reisen ist. Wo Dein Kindergarten ist, wo Du nächstes Jahr eingeschult werden wirst und wo wir ein Haus bewohnen, welches wir für eine gewisse Zeit unser "zu Hause" nennen. Du hast Dich auf das Wiedersehen mit Deinen Freunden gefreut und warst zeitgleich traurig, dass die intensive Zeit mit Mama und Papa nun erst mal zu Ende ist. Du bist fünf Jahre alt und schlauer, als wir Dir zutrauen. Ich habe Dich unterwegs oft beobachtet und Dich oft beneidet um Deiner Naivität und Unbefangenheit. Für Dich sind tatsächlich erst mal alle Menschen gleich, ohne "wenn und aber". Wenn Dein Spielkamerad, den Du erst seit zehn Minuten kanntest, von der Schaukel gefallen ist, kamst Du zum Bulli gelaufen und hast zügig die Pflaster aus der Erste-Hilfe-Kiste geholt. Wenn der älteren Dame am Nebentisch die Serviette herunter gefallen ist, bist Du wortlos aufgestanden, herübergegangen und hast ihr diese wieder auf den Tisch gelegt. Wenn wir irgendwo neu ankamen, warst Du die erste, die über den Platz geflitzt ist und unsere Nachbarn begrüßt hat. Du hast schwimmen gelernt. Und Du hast sofort begriffen, dass das kein Fieberthermometer ist, was Mama in der Drogerie in Schwerin gekauft hat, sondern ein Schwangerschaftstest. Du bekommst ein Brüderchen. Und plötzlich bist Du nicht mehr mein "kleines Bienchen", plötzlich bist Du "Die Große". Doch ich bin mir sicher: Eine bessere, große Schwester kann sich der kleine Mann gar nicht wünschen. Euer Lebensweg wird einer Bullireise vielleicht gar nicht so unähnlich sein. Es gibt wahnsinnig viele Kreuzungen, an denen ihr euch entscheiden müsst, in welche Richtung es nun gehen soll. Auch ihr werdet falschherum in manchen Kreisverkehr einfahren und auch Euch wird man sicherlich mal den Spiegel abfahren. Aber ich garantiere Euch: Ich mach Euch den gelben Engel und bei uns gibt es unbegrenzte Kulanz, ganz bedingungslos. Ihr Zwei werdet Eure Wege gehen, daran habe ich nicht den Hauch eines Zweifels. Mir allein bleibt nur, Euch dabei nicht im Weg zu stehen. Es ist euer Europa.
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    Gerade geschossen nord Norwegen
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    Einen schönen Gruß aus dem hohen Norden Windstärke 5 in Böen 7, wie dann der Winschillfaktor bei -4Grad aussieht, überlasse ich Eurer Vorstellung. Gut, dass es ein stabiles Geländer zum Festhalten gibt und schwere Steine, um das Stativ zu stabilisieren. 😍 Warten, warten, warten, und dann... Ohne Worte Die Lampe wird Zuhause noch wegbearbeitet. Den Wasserkanister mit der Schmutzmatte untendrunter als Abdeckung hat es in Querlage mal locker vom Podest geweht😱
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    Zingst Bis zum Fährhafen ist es zwar noch ein gutes Stück zu fahren, aber der Check in ist erst Abends und wir haben noch ausreichend Zeit. So bummeln wir hinunter bis zur Küste, gehen noch mal im Sainsbury´s Lebensmittel aufbunkern und fahren früh in das Fährdeck der P&O Ferries Nachtfähre. Es ist ein wunderbar unkompliziertes Boarding. Die Mitarbeiter sind freundlich, am Schalter vor der Einfahrt gibt es bereits die Kabinenschlüsselkarten durchs Beifahrerfenster gereicht und entspannte, wohlwollend dreinschauende Einweiser zeigen mir leicht verständlich und logisch nachvollziehbar, wo sie unseren Bulli hingestellt haben wollen. Ich wiederhole mich, aber: Ich liebe diesen britischen Style. Wir nehmen ein wenig Übernachtungskram aus den Fenstertaschen und beziehen unsere Kabine. Klein, unspektakulär, aber überraschend sauber. Während sich die Mädels noch in der Nasszelle ein wenig auffrischen, erkunde ich die Decks und sichere uns einen Fensterplatz an der Bar. Ich studiere die Getränkekarte und rechne mir mit meinem Zehnfingerabakus aus, wieviele Ales ich wohl für den sich noch in meiner Hosentasche befindlichen Rest an Britischen Pfund erstehen könnte. Es sind mehr als genug, um mich in eine stattliche Fahrunfähigkeit bis weit in den kommenden Tag hineinsaufen zu können. Keine gute Idee, da werden wir wohl noch in den Shop gehen müssen. Claudia und Nele kommen zu mir und setzen sich schnatternd hin, Nele packt gleich wieder ihre Maumau-Karten auf den Tisch und beginnt zu mischen. „Einen Moment“ sage ich. „Ich hole noch was zu trinken. Was wollt Ihr?“ An Claudia gerichtet, erwähne ich, dass es hier auch Cocktails gibt und das die nun gar nicht mal so schlecht aussehen würden. Als wenn ich Ahnung davon hätte... Sie erwidert mit einem Lächeln, dass mich schon vor über zehn Jahren verzückt hat: „Danke, nur ein Wasser.“ Mit drei Gläsern zwischen beide Hände geklemmt kehre ich zurück an unsere Sitzecke und setze mich. Claudia hat den Kopf in beide Hände gestützt und schaut aufs Wasser, dann zu mir herüber. Ihre Hand legt sich auf meinen Arm als sie sagt: „Du, ich glaub´, wir müssen reden.“ „Nur zu!“ nicke ich ihr aufmunternd zu, während die Hand meines noch freien linken Arms nach meinem Glas greift und ihn in die Richtung führt, wo er meinen Mund vermutet. „Ich...ich denke, ich bin schwanger.“ Ein scharfer Überdruck schießt an meine Gaumendecke unter die Nase, die gerade über dem Bierglas hängt und drückt mit einer wissenschaftlich nicht nachweisbaren Massenbeschleunigung den Schaum aus dem Glas in mein Gesicht. „Aber das ist ja wunderbar!“ grinse ich sie tropfend an. Ich würde sie gerne umarmen und küssen, aber das wäre gerade wohl etwas eklig. Claudia tupft mir lachend das Gebräu aus dem Antlitz. „Aber...wie...wann...?“ Ich bin gerade etwas überfordert. „Erinnerst Du Dich an Venedig?“ „Oh, ja. Ich erinnere mich.“ „Du hast Bierschaum am Ohr!“ weckt mich Nele mit nicht zu überbietender Feinfühligkeit aus meiner gedanklichen Rückbesinnung an die Stadt der Liebe. Vor mir liegen sieben Karten verdeckt auf dem Tisch. „Sieben heißt zwei nehmen, A heißt aussetzen, Bube ist Wünscher und Knutschern könnt ihr nachher noch.“ befiehlt mir der kleine Blondschopf. „Gibt es also bald einen zweiten Rabauken.“ freue ich mich in mich hinein und lege aus. Kreuz sieben. „Auf, zwei nehmen 😊“ Bei Sonnenschein fahren wir durch Holland und nach einiger Zeit rollen wir, völlig unspektakulär, in die BRD rein. Klar, ein Empfangskomitee haben wir natürlich nicht erwartet, aber die Banalität, mit der wir unserem Wohnort entgegen steuern, ist schon ein wenig enttäuschend. Aber ein paar Tage haben wir noch und einen Teil davon wollen wir unbedingt an der Ostsee verbringen. Es gibt tiefere Meere, es gibt größere Meere und es gibt auch gefährlichere Meere. Aber es gibt keine schöneren. Die Ostsee ist für mich, mit ganz ganz weitem Abstand, der absolute Inbegriff eines wilden, schönen, offenen Meeres. Wir halten unsere Nasen in den frisch wehenden Wind, bauen mit Backpulver, Essig und Seifenlauge einen Vulkan, gehen Fischbrötchen essen und faulenzen uns durch die Tage. Abends geht es mit einem der Fahrgastschiffe raus auf den Bodden zum Kranichgucken. In der Dämmerung kommen die Vögel von den Feldern eingeflogen, um die Nacht in den seichten Boddengewässern zu verbringen. Wie urzeitliche Tiere trompeten sie sich in Formationen durch die Lüfte, immer wieder beeindruckend. Auf dem Radweg vom Hafen zum Bulli denke ich darüber nach, was dieses Fleckchen Erde hier ausmacht, weshalb wir hier immer wieder gerne her kommen. Heimatverbundenheit? Eher nicht. Obwohl ich die ersten 19 Jahre meines Lebens in Mecklenburg verbracht habe, stellt sich bei mir nach wie vor nie so etwas wie Heimatliebe, innige Verbundenheit zu Land und Leuten oder gar so etwas wie “Stolz” ein. Aber ich musste erst 10, 12 Jahre das Wohlvertraute hinter mir lassen, um zu erkennen, wie schön es hier ist. Mir ist früher einfach nie aufgefallen, wie ein rauschender Schilfgürtel klingt oder welche Stimmung eine tiefstehende Sonne über großen Wasserflächen erzeugen kann. Oder wie Regen in Mecklenburg riecht. Er riecht dort anders. Wirklich. Vielleicht wird man mit den Jahren empfindsamer und empfänglicher für die kleinen, aber wirklich wichtigen Dinge des Lebens.
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    Hallo, Da kaum zu erwarten ist, dass hier noch irgendein halbwegs brauchbarer Beitrag kommt, Mache ich das Thema jetzt zu. Der in letzter Zeit hier teilweise auftauchende Umganston missfällt mir doch sehr. Ich möchte daran erinnern, dass wir hier im Caliboard einen höflichen und freundlichen Umgang pflegen. Und das soll (und wird) auch so bleiben..... Gruss, Stephan
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    Tag 10 Gleich um 7 Uhr gehe ich am nächsten Morgen zum Frühstück. Du meine Güte, hier ist ja die Hölle los. Am Buffet herrscht ein Gedränge und es wird geschoben, getrödelt und unappetitliche Dinge angestellt. Amerikaner, Engländer und Franzosen beherrschen das Geschehen. Das macht wirklich keinen Spaß. Später erfahre ich auch den Grund für das Gedränge. In Harstad verlassen gegen 8 Uhr viele Passagier das Schiff für einen Landausflug auf die Vesteralen. Da wollen natürlich alle vorher noch frühstücken. An den nächsten beiden Tagen war es übrigens viel entspannter. Um kurz nach acht legen wir im Hafen von Harstad an. Vom Schiff aus kann man schön das Treiben in der Stadt beobachten. Mit Radlader und Lastwagen werde großen Schneemengen fortgeschafft. Nächster Hafen ist Risøyhamn. Über Bordlautsprecher wird das Durchfahren der Fahrrinne als Attraktion bekannt gegeben. Allerdings muss ich sagen, dass die Durchfahrt des Postschiffes von Land aus wesentlich spektakulärer aussieht als an Bord des Schiffes. Zum Erstaunen der Lade-Mannschaft gibt es in diesem Hafen keine Fracht, wir hätten also auch vorbeifahren können. In Sortland steigen die Teilnehmer des Landausfluges wieder zu. Der nächste längere Aufenthalt ist in Stokkmarknes. Hier befindet sich das Hurtigruten Museum mit dem Museumsschiff Finnmarken. Besichtigen kann man das Schiff zurzeit nicht, denn es wird ein Gebäude um das Schiff gebaut. Der nächste Abschnitt ist, zumindest laut Reiseleitung, wieder einer der Höhepunkte der Reise - die Fahrt durch den Raftsund mit Blick in den Trollfjord. Auch hier finde ich es allerdings viel interessanter, von der Uferstraße aus aufs Wasser und die Schiffe zu schauen. Auf dem Weg nach Svolvaer gibt es noch ein paar schöne Motive bei Sonnenuntergang. Vielleicht klappt es ja heute noch einmal mit dem Nordlicht? Tatsächlich! Eine halbe Stunde nachdem wir Svolvaer verlassen haben, gibt es über die Lautsprecher den Hinweis auf Nordlicht. Viele Leute kommen jetzt an die offenen Decks auf der Suche nach dem Nordlicht. Ich habe mal gelesen, dass nicht jeder Mensch Nordlicht erkennen kann. Inzwischen denke ich, da ist was dran. Heute morgen hatte ich eine Unterhaltung, bei der auch Nordlicht ein Thema war. „Haben Sie gestern auch das starke Nordlicht bei Tromsö gesehen? Ja, haben wir. Allerdings war es nur auf der Kamera zu sehen, mit bloßem Auge konnten wir es nicht sehen“. Dabei war es gestern wirklich sehr gut zu sehen. Auch jetzt laufen ständig Leute umher und sehen nichts. Als ein französischer Mitreisender zum zweiten Mal suchend an mir vorbeikommt, halte ich ihn an und deute mit dem ausgestreckten Arm auf das Nordlicht. Aber er sieht es nichts. Da er auch Stativ und Kamera dabei hat, lasse ich ihn ein Foto in die angegeben Richtung machen. Beim Betrachten seines Kameradisplays ist er höchst erfreut und flitzt gleich zu seiner Begleitung. Auf dem offenen Deck am Heck des Schiffes ist jetzt ein kleines Blitzlichtgewitter im Gange. Nun ja, diese Leute sehen selbst auf den Displays kein Nordlicht. Angesichts der vielen Menschen versuche ich erst gar nicht, weitere Nordlichtfotos zu machen. Allerdings sind die Momente mit den Menschen und dem Nordlicht auch nicht schlecht. Tag 11 Die gestrigen Fotos waren auch schon die letzten Fotos an Bord der MS Kong Harald, denn heute regnet es den ganzen Tag wie aus Eimern. Da kann ich mir ja mal Gedanken über den letzten Teil der Reise machen. Über die Brücken von Schweden nach Dänemark wird mir der Heimweg zu lang und mit den Fähren nach Kiel verliere ich einen ganzen Tag. Wäre noch die Fähre von Göteborg nach Frederikshavn. Aber dann ist es Samstagnacht und vielleicht Halligalli an Bord, wie schon einmal, vor ein paar Jahren. Bei der Fähre von Larvik nach Hirtshals passen Fahrzeit und Preis. Also buche ich auf der norwegischen Seite von Color Line für 695 NOK die Fähre für Übermorgen um 22:15 Uhr. Das sollte passen. Am Abend kündigt uns die Reiseleitung das Treffen mit einem zweiten Postschiff an. Als wir Rørvik erreichen wird es sogar noch mal wiederholt. Erst als wir angelegt haben, kommt der Hinweis, dass das andere Schiff noch gar nicht eingetroffen ist. Auf Marine Traffic hatte ich schon gesehen, dass sich das Schiff durch die Folda kämpft. Ihr erinnert euch, Folda, die offene Seestrecke mit dem schweren Seegang. Da müssen wir jetzt wieder durch. Meine Kabine liegt auf Deck 2, also ziemlich weit unten im Schiff. Bei diesem Seegang stehen die beiden Bullaugen immer wieder komplett unter Wasser und ermöglichen einen gespenstischen Blick unter Wasser. Ich kann gerne darauf verzichten und lege mich schlafen. In der Nachbarkabine schließen sie die Klappen vor den Bullaugen. Die Bullaugen bei normalem Seegang. Wir kommen mit Verspätung in Trondheim an. Auch gut, denn so bleibt mehr Zeit für das Frühstück. Ich verlasse kurz das Schiff, um zu schauen ob der Bus schon draußen steht. Tut er nicht, aber danach lässt mich das Zugangssystem nicht mehr an Bord. Also bekomme ich für die letzten 10 Minuten einen Besucherausweis. Den Bus fahre ich selbst von Bord, dann folgen noch ein paar Fotos vom Schiff und schon bin ich auf der Heimreise. Das Navi habe ich auf Mautvermeidung eingestellt, denn so lerne ich auf dem Weg nach Larvik auch noch neue Regionen kennen. Color Line bringt mich nachts um zwei Uhr pünktlich ins dänische Hirtshals. Von da aus schaffe ich noch eine Stunde Fahrzeit bis zur Nachtruhe auf einem Parkplatz. Frühstück gibt es erst in Deutschland und am Sonntagnachmittag bin ich nach 12 spannenden Tagen wieder Zuhause Die Winterreifen liegen schon wieder verpackt in der Garage, - sie taugen bestimmt noch für eine weitere Wintertour. 😎 Meinem Bein scheint es wieder gut zu gehen. Allerdings meint die Frau, der komische Knick im Schienbein wäre vorher nicht da gewesen.... 😁 Vielen Dank für die 👍 und Eure Kommentare. Viele Grüße, Gerhard
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    Genau die Frage hatte ich auch, da ich gerne die Schlafsäcke oben liegen lassen wollte. Ich dachte mir, ich messe es einfach nach. Habe dazu einen Pack "Mohrenköpfe" gekauft und jeweils in eine Tüte gesteckt. Diese dann an die Ecken und in der Mitte verteilt und das Dach geschlossen und dann wieder geöffnet. Dann habe ich gemessen um wie viel sie eingedrückt wurden. Es sah danach aus, dass die flach ausgebreiteten Schlafsäcke noch Platz haben sollten. Gesagt getan, und siehe da, es ließ sich nicht schließen. Ich vermute das es daran liegt, das die Kraft um auf der gesamten Fläche die Schlafsäcke auch nur ein wenig zu komprimieren einfach zu hoch ist. Sechs Schaumküssen lassen sich da viel leichter zerdrücken. Ergebnis: mir der original Matratze kann man nichts sinnvoll oben liegen lassen und mit der Zubehör Matratze (die um einiges bequemer ist) erst recht nicht. Schade Ausgangssituation Detail vor dem Schließen Detail nach dem vollständigen Schließen des Daches Überblick nach dem Schließen - Da denkt man, etwas flaches sollte Platz haben. PS: Es wurden keine Mohrenköpfe verschwendet. Die Messkandidaten wurden nach dem Test ordnungsgemäß verspeist!
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    Hallo zusammen, ich habe mir inspiriert von anderen Beiträgen hier eine zusätzliche Ablage gebaut die ich in der vorhanden Tischschiene einhängen kann. Die Vorgaben waren kompakte Abmessungen und eine Nutzung auch in der Schlafposition der dreier Bank. Die Abmessungen sind so gewählt das die Ablage in einer der Boxen unter der Rücksitzbank ihren Platz findet und immer dabei ist. Für Interessierte Nachbauer habe ich eine Zeichnung mit Bestellnummer der Bügel und den Abmessungen erstellt. Gruß Thorsten
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    Liebe Caliboarder, ich habe lange überlegt, ob ich folgende Zeilen in dieser Form hier einstelle. In diesem Forum geht es in allererster Linie um das gepflegte Reisen. Um eine der schönsten Sachen der Welt: Unterwegssein. Optimalerweise mit Leuten, die man gern hat und an Orte, die einen in ihren Bann ziehen. Keineswegs geht es hier aber um Politik. Das ist mir klar und ich finde das auch nur konsequent und richtig. Andererseits hat Reisen aber auch meistens mit Geschichte und Geschichten zu tun und insbesondere unsere jüngste europäische Geschichte zeigt allenthalben Zeitstrahlmarken auf, an denen es mehr als fragwürdig schien, dass wir in den 2000er-Jahren friedlich mit unseren kleinen Transportern durch die Lande und Länder ziehen würden. Und so, wie ich mindestens ein Mal im Jahr in meine alte Lehrbude zurückkehre um mir wieder und wieder ins Bewusstsein zu rufen, wie gut ich es momentan in beruflicher Hinsicht habe, so versuche ich regelmäßig Orte aufzusuchen, die mich ein Stück weit bescheidener in meinen persönlichen, banalen Wünschen werden lassen und die mir vor allem aber auch ins Bewusstsein rufen, welches Glück mir mit der Gnade der späten Geburt beschieden worden ist. In Frankreich war es wieder ein Mal Zeit dafür und Gelegenheiten bieten sich dort zahlreiche. Ein kurzer Hinweis noch: Es folgt keine Beschreibung eines fluffigen Urlaubstags sondern eher relativ schwere Kost. Denn heute ging es nach Oradour-sur-Glane Selbst im Frühjahr 1944 haben nur wenige Dorfbewohner des Département Haute-Vienne, Region Limousin, jemals einen Soldaten der Deutschen Wehrmacht gesehen. Die ländlich geprägte Region war kein Verkehrsweg an die Front, die in diesen Tagen direkt am Atlantik lag, und auch sonst nicht kriegsrelevant. Doch im Juni diesen Jahres erreichte die Grausamkeit des Krieges selbst diesen friedlichen Landstrich. Am 6. Juni 1944 gelang den Alliierten unter massiven Verlusten das Anlanden von Truppen und Material an den Stränden der Normandie und im weiteren Verlauf sogar das „Knacken“ des Atlantikwalls. Das Oberkommando der Wehrmacht war fassungslos, erwartete es die Invasion doch in völlig anderen Abschnitten. Noch am selben Tag erging ein Eilmarsch-Befehl an die 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“ von Südwestfrankreich an die Invasionsfront im Norden. Zeitgleich erfahren französische Untergrundkämpfer, „La Résistance“ und „Maquis“, von den Neuigkeiten und entschließen sich, die deutschen Kampfhandlungen massiv zu stören und somit den Vormarsch der Alliierten Kräfte zu unterstützen. So entfachen sich auch in den Ortschaften im Limousin erste Kämpfe, vorrangig um der Wehrmacht den Nachschub abzuschneiden. Am 7. und 8. Juni gelingt es den Partisanen um die kommunistische FTP, den Ort Tulle einzunehmen und die dort etwa 120 stationierten Wehrmachtssoldaten zurückzudrängen. Am Abend des 8. Juni erreichen Einheiten der Division „Das Reich“ die Region, die Partisanen fliehen. Am 9. Juni übt die SS massive Vergeltung. 99 willkürlich aus der Einwohnerschaft gesammelte Menschen werden erhängt. Dieses Massaker von Tulle ist der Meinung renommierter Geschichtsforscher nach hart an der Grenze dessen, was als „Kriegsrepressalie“ angesehen werden kann. Was tags darauf in Oradour geschieht, geht allerdings weit darüber hinaus. Die 3. Kompanie des Panzergrenadier-Regiments 4 „Der Führer“ der 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“ umstellten am frühen Nachmittag des 10. Juni 1944 das Dorf. Die Befehlsstruktur vor Ort begann bei Obersturmbannführer Dieckmann, welcher den Kompaniechef Kahn befehligte. Kahn sagte in der 1953 stattfindenden Verhandlung aus, Dieckmann hätte ihm Befehl erteilt, ausnahmslos alle Dorfbewohner zusammenzutreiben und das Dorf restlos niederzubrennen. Gegen 14:00 Uhr wurden sämtliche Einwohner des Dorfes aus den Häusern geholt und zum zentralen Marktplatz gebracht. Nach über einer Stunde ungewissen Wartens teilte man sie auf. Aus dem Elsass zwangsrekrutierte, französischsprachige Soldaten übernahmen die Kommunikation. Über 400 Frauen und Kinder wurden in die Kirche geschickt, die Männer in weitere Gruppen unterteilt und an verschiedene Orte im Dorf verbracht. Eine Explosion gab das Zeichen: Zeitgleich schossen SS-Soldaten den wehrlosen Männern in die Beine, ließen sie übereinander fallen, gaben weitere Salven hinterher, überdecken die Getöteten mit Holz, Stroh und allem Brennbaren, dessen sie habhaft werden konnten und entfachten Feuer. Kurze Zeit später wurde unter dem Altar der Kirche eine Rauchbombe gezündet. Als unter den Kindern und Frauen Panik ausbrach und diese durch die Kirchentür fliehen wollten, gingen weitere Maschinengewehrsalven nieder. Dann flogen die ersten Handgranaten in die sich in der Kirche befindliche Menschenmenge und auch hier wurde Feuer gelegt. Schnell stand der Dachstuhl in Flammen und wer bislang nicht erstickt, erschossen oder von einer Granate zerfetzt worden ist, verlor sein Leben spätestens unter dem krachend einstürzenden Dachgebälk des Kirchenschiffs. Nun wurden sämtliche Gebäude des Dorfes angezündet. Eine einzige Frau konnte sich aus der Kirche retten: Marguerite Rouffanche floh durch ein Fenster und versteckte sich, getroffen von fünf MG-Kugeln, bis zum nächsten Tag. Ihre später zu Papier gebrachte Zeugenaussage wurde in den Verhandlungen 1953 von mehreren SS-Angehörigen bestätigt. Unter den Männern fanden sich fünf Überlebende. Als die ersten MG-Salven durch das Dorf hallten, schmissen sie sich auf den Boden und wurden von den nach ihnen getroffenen überdeckt. Den Nachmittag und die ganze Nacht hindurch galten Ihre Gedanken nur noch der kriechenden Flucht vor den Flammen und den Brandwachen der SS. 642 Menschen wurden in Oradour-sur-Glane getötet. Darunter 254 Frauen und 207 Kinder. Wie bittet man um Verzeihung für das Unverzeihliche? Wie kann man eine so unfassbar grausame, zum Himmel schreiend ungerechte, barbarische Tat verarbeiten? Das französische Volk hat eine, wie ich finde, bewundernswerte Antwort parat. Sie lautet: „Souvenir toi“, „Erinnere Dich“. Das Mahnmal ist eine stachelige, brachial aufsteigende Wand aus Cortenstahl. In rostigem Braun steht sie neben den Überresten des niedergebrannten Dorfes. Unterirdisch, ohne die mahnende Kulisse oben durch jedwede Zweckbauten zu zerstören, befindet sich das in fünf Bereiche unterteilte „Centre de la mémoire“: 1. Der politische und gesellschaftliche Kontext in der Vorkriegszeit. Der Aufstieg des Nationalsozialismus und die Expansionspolitik des Dritten Reiches. 2. Die systematischen Massaker an der Bevölkerung Osteuropas, die Massaker des 8. und 9. Juni, die Division der Waffen-SS auf dem Weg nach Oradour. 3. Filmvorführung: Versuch der Rekonstruktion der Ereignisse des 10. Juni 1944 in Oradour. 4. Die nationale Anerkennung, der Prozess und die Amnestie sowie der Wiederaufbau Oradours. 5. Friedensbotschaften, Ort der Reflexion In der 1953 stattgefundenen Verhandlung wird den Elsässischen Zwangsrekrutierten eine Generalamnestie zugesprochen. Auf der anderen Seite steht die „Lex Oradour“ („Jeder, der zu einer militärischen Einheit gehörte, welche sich an Kriegsverbrechen beteiligt hat, ist ohne Rücksicht auf Schuldausschließungsgründe mitschuldig, wenn er nicht seine individuelle Schuldlosigkeit nachweisen kann.“) In einem Artikel der "Zeit" fand ich folgenden Absatz: „Die Tatsache, dass jene Deutschen und Elsässer, die sich wahrscheinlich von anderen jungen Menschen bis zum 9. Juni 1944 nicht wesentlich unterschieden, an diesem Tage zu Mördern wurden, sollte uns allen zu denken geben. Es sollte uns vor Augen führen, dass die Entscheidung, ob in unserer Zivilisation der Geist überlebt oder die menschliche Gesellschaft zur Maschine wird, allein von uns abhängt – von der Einstellung jedes einzelnen zu seinem Leben und dem des anderen (sic!).“ Zitat aus „Zeit“, „Der Fluch von Oradour“, 8. Januar 1953 1953, das ist über sechzig Jahre her. Aber erst nach dem Millennium erkannte Deutschland das Massaker von Oradour als Kriegsverbrechen an, erst dann fuhren deutsche Politiker dort hin, sprachen zu den Franzosen und baten um Verzeihung. 2002 erschien posthum das Tagebuch der Lehrerin Denise Bardet, welche zusammen mit all Ihren Schülerinnen in der Kirche von Oradour umgebracht worden ist. Hierin schrieb sie unter Anderem: „Man darf die Nazibarbarei nicht mit Deutschland gleichsetzen. Man muß Börne, Büchner, Heine in Frankreich lesen, um zwischen dem unsterblichen Deutschland und seinen Herren für einen Tag unterscheiden zu können.“ Genau diese „Herren für einen Tag“ waren für den Tod dieser Frau verantwortlich, die selbst in Kriegszeiten in einem besetzten Land zu solchen Worten fähig gewesen ist. Man kommt als Deutscher in Oradour nicht umhin, sein schamerfülltes Gesicht in beide Hände zu legen. Zwei Worte sind völlig ausreichend. „Erinnere Dich“, „Souvenir toi“.
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    Sonnenuntergang am Passo del Dosso Alto. Traumstrasse Lombardei: Strade Dosso Alto e Tre Valli Danke Martin 😀
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    Kroatien Als ich heute früh wach werde, hockt Nele am Seitenfenster des Aufstelldachs und schaut einem ukrainischen Frachter beim Einlaufen in den venezianischen Hafen zu. Er trägt einen bemerkenswerten Namen auf die Seitenwand gepinselt: "HILAMAYA" Ich überlege kurz, wie viele Caipis das gestern gewesen sind, bin mir aber sicher, dass es bei einem geblieben ist. Noch mal genauer hinschauen: "HILAMAYA" Nun ja, die werden sich schon was dabei gedacht haben. Die Nacht war nicht allzu ruhig. Gegen 01:00 Uhr reißen mich stampfende Beats aus meinen Caliträumen und durch das Fenster sehe ich, nur ein paar Meter neben unserem Stellplatz, eine Gruppe Jugendlicher tanzen. Offensichtlich US-Amerikaner. Ich benötige eine Weile, bis ich das alles halbwegs sortiert bekomme: Oben ohne stehen sie an den Docks, recken rhythmisch ihre gen Himmel zeigenden Handflächen nach oben während sie dabei dezent in die Knie gehen. Als würden sie ein Bungalowflachdach dämmen. Meine Schläfen pochen. So grazil, wie es meine federnden zwei Zentner lebensbejahender Körperbau in Zeiten nächtlichen Technoweckens zulassen, plumpse ich aus dem Hochdach nach unten und rausche aus der kaum geöffneten Schiebetür, um diesen rücksichtslosen Pennern meine persönliche Meinung ob ihrer nächtlichen Party in meinem 24h-Vorgarten entgegenzukotzen. Sie hören sofort auf, Ihr Dach zu dämmen und ich lege ihnen nahe, ihren Brüllwürfel umgehend abzuschalten da ich ansonsten gezwungen wäre, ihn der venezianischen Gezeitenströmung zu opfern. Ich blicke in glasige, fassungslose Augen schwankender Halbwüchsiger. Nur ein Mädel scheint noch halbwegs nüchtern und versucht sich in dezenter Gegenwehr: "I mean, we are on a campsite!" Ich explodiere: "YOU are on a campsite at one o'clock in the night and I am pissed about YOUR behavior. So get the fuck out of my eyes IMMEDIATELY." Sie torkeln noch eine letzte Gangsterrunde am Bulli vorbei und verschwinden in der Nacht. Nach fünf Minuten Wachestehen verkrieche ich mich wieder ins Dach und liege wach. „Was war das jetzt?“ So kenne ich mich gar nicht. In meiner Selbstwahrnehmung bin ich eigentlich ziemlich entspannt und tolerant. Offensichtlich endet diese Toleranz bei nächtlicher Ruhestörung. Wir beschließen, erst mal nach Kroatien zu fahren und dort ein paar Tage zu bleiben. Ich bin noch nie dort gewesen, habe aber nur Gutes gehört. An der Grenze werden wir gestoppt: "Passporrrrt" balkanisiert uns eine resolut mopsige Mitvierzigerin durch ihr Oberlippenbärtchen an. Wir haben die Pässe allerdings nicht zur Hand. Über Kroatien sind Claudia und ich weder informiert noch sind wir im Bilde über den konkreten EU-Status des Landes. Eine riesige Bildungslücke klafft quasi direkt vor unserer Motorhaube. Die Zolldame ist sichtlich genervt und dirigiert uns auf den Seitenstreifen, ohne uns aber hinterherzukommen. Wir kramen die Pässe raus, ich latsche zurück zu dem Kontrollhäuschen und maule den Diensthabenden voll, was das denn soll. Er informiert mich, im Gegensatz zu seiner Kumpeline recht gut gelaunt, darüber, dass ich mich im Grenzgebiet zweier Länder befinde, von denen eines nicht dem Schengenabkommen zugestimmt habe. Oha, was für ein Theater. Und ich dachte, die EU würde zusammenrücken. Sveta Marina Ich liebe es, wenn ich morgens, ganz langsam und gemächlich, unter den kitzelnden, ersten Sonnenstrahlen, die durch das Hochdachgazefenster scheinen, aufwache. Mit vier, fünf Lidschlägen wird das Bild klarer und vor mir liegt das schönste Gesicht, welches man sich halb sieben in der Früh wünschen kann. Als hätten wir uns verabredet, öffnet auch Nele ihre Augen, setzt kurz diesen erstaunt-verwirrten Ausdruck der mangelnden Erkenntnis zwischen Traum und Erwachen in Ihr Gesicht und lächelt mich dann heiser an: „Guten Morgen Papi!“ Die zweite Woche beginnt und wir grooven uns langsam ein in den Alltag zwischen Vierräderbett und Sanitärtrakt. Gestern Abend spricht Claudia aus, was ich mir insgeheim bereits denke: „Sorry, aber das is hier irgendwie nix für mich. So große Plätze, so viele Menschen, diese Unruhe, ich komm dabei nicht runter.“ Mir fällt ein Stein vom Herzen, denn mir geht es ganz genau so. Nur in der gut gemeinten Vorstellung, meine Mädels bräuchten Sanitär, Pool und sozialen Anschluss habe ich einen Sechstagesaufenthalt hier in der Sveta Marina vorgeschlagen. Pools, Bars, Restaurants, Meer, wunderbar. Und: Das ist es ja auch. Wir genießen den Komfort und das wirkliche Urlaubsleben. Aufstehen, Frühstücken, Pool, Mittag, Mittagspause, Schnorcheln gehen, Abendbrot, Strandspaziergang, Sundowner, Heiabautz. Ganz wunderbar. Nur: Am Dritten Tag, da beginnt es bereits wieder zu jucken. Und wenn es juckt, will man kratzen. So ein längerer Stand ist nicht die Form von Urlaub, die wir uns vorgestellt haben, als wir den Bulli in unsere Familie holten. Wir wollten Freiheit und Vanlife. Die Maximierung dessen, was wir im Caddy in Norwegen erleben konnten. Jetzt stehen wir mit kaputter Markise auf einem 400-Plätze Camp unter der WLAN-Antenne. Spießiger, als wir es uns jemals hätten ausmalen können. Wir beschließen, bis zum bereits fest auf Sardinien gebuchten „Tiliguerta“ nur noch kleine Plätze anzufahren oder frei zu stehen. Bis Donnerstag jedoch bleiben wir noch hier und genießen den Pool. Nele hat sich mehr denn je dem Wasser verschrieben und schmollt jedes Mal aufs Neue, wenn wir sie nach etwa drei Stunden zur Pause nötigen. Die Siestas verbringe ich mit Kommunikationsversuchen zum Kundendienst der Volkswagen Nutzfahrzeuge. Unser Händler kann uns bzgl unserer Markise nicht helfen und empfiehlt uns den Weg der „Massiven Beschwerde“ ins Werk Wolfsburg. Genau das habe ich vor drei Tagen gemacht, obwohl ich bereits von Forenmitgliedern weiß, dass auch dieser Weg nicht unbedingt ein erfolgreicher sein wird. Die Antwort lässt natürlich auf sich warten. In nächster Instanz schreibe ich morgen mal den Markisenhersteller direkt an. Mal sehen, ob sich da etwas tut. Hoffnung habe ich allerdings nicht. Der Camping Sveta Marina ist ganz nett, aber ab vom Schuss. Um ein paar Sachen zu besorgen, miete ich mir einen Roller an der Tauchbasis und düse mit atemberaubenden 40 km/h in die nächste, naja, "Stadt". Die Übergabe des Zweirads war nicht ganz so einfach. Dachte ich anfangs noch, die Jungs der Zweirad- und Bootsvermietung mit angeschlossenem Trampolinbetrieb wären ein ganz kleines bißchen auf Dope kleben geblieben, glaubte ich im Rahmen der gut 40 Minuten dauernden Aktion zu merken, dass ihr Tauchhobby keinen ganz unwesentlichen Einfluss auf Ihren Gemütszustand haben dürfte. "Croatian racing machine, wa?" meine ich, als mir die zweirädrige Kettensäge übereignet wird. "Mmh?" dreht sich Beutlin mit Augenlidern auf Halbmast in Zeitlupe zu mir um. "No no, don't worry. It's a piece of shit." Nagut, ehrlich sind die Brüder wenigstens. In einer blauen Zweitaktwolke kreische ich davon.
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    Aufbruch Die letzten vier Wochen vor der Abreise vergehen wie im Flug. Ich wollte noch sie viel ein- und umbauen, noch so viel optimieren am Bus. Kaum etwas davon habe ich geschafft. Auf den letzten Drücker bestelle ich noch ein Sonnensegel, wohlwissend, dass unsere Markise mit zweigeteiltem Tuch uns ganz sicher kein viertes Jahr erhalten bleiben wird. Am letzten Arbeitstag gebe ich meinen Dienstwagen ab, mache eine letzte Spesenabrechnung, eine letzte online-Besprechung und schalte dann Handy und Notebook ab. Einfach so, mit dem Daumen. Klick. Klack. Aus. Das Packen geht schnell. Die Fenstertaschen sind aufgeteilt (zwei für Nele, zwei für Claudia, zwei für mich, eine für Handtücher, eine als Kramtasche für Taschenmesser, Taschenlampen, Feuerzeug usw.), die Heckbox auf dem Atera ist mit Mütze, Strandspielzeug, Schuhen usw. gefüllt und der Heckauszug kriegt noch eine Box mit weiteren Utensilien sowie Gasvorrat, Grill und Kochgeschirr. Hinter dem Fahrersitz ist seit einer Woche ein „Prototyp“-Küchenblock verschraubt, in dem Kühlung und Wasserversorgung Platz finden. Am Abreisemorgen schnalle ich nur noch die Räder drauf und es kann los gehen. Ich starte den Diesel und halte noch einen Moment inne, bevor wir unsere Reise mit dem Verlassen der Verbundpflastersteine unserer Siedlung starten. Als ich mich über die rechte Schulter drehe, blicke ich in zwei strahlende Kinderaugen: „Worauf wartest Du Papi?“ grinst Nele mich an. Ich grinse zurück, schaue dann rüber zu Claudia. „Was ist?“ will auch sie nun wissen. „Nichts.“ erwidere ich. „Alles gut. Auf geht’s.“ Mit dem Einlegen des ersten Gangs sind die Nachrichten im Radio beendet und ein neuer Song beginnt. „Learning to fly“ von Tom Petty. Manchmal scheint einfach alles wunderbar zusammenzupassen. Calceranica al Lago Gute drei Stunden später sitzen wir bei John, seiner Frau und seinen zwei Kids auf der Terrasse. Als er von unserer Reise Wind bekam, lud er uns sofort zu einem „Snackstop“ ein. Unter der sengenden Julisonne werden wir fürstlichst begrillt und ich verlasse satt und leicht angeheitert sein zu Hause. Wir wollen am ersten Tag noch bis Garmisch kommen und uns dort „einnorden“, wie wir es nennen. Wir verbringen dort zwei wunderbare Tage, genießen die Blicke auf die Bergwelt bei wunderbaren kleinen Wanderungen oder das kühle Plätschern in der Partnachklamm. Nach der Siesta steht Kartengucken auf dem Plan. Wir überlegen, ob wir vor Sardinien noch einen Abstecher an den Mt. Blanc machen sollen. Claudia will unbedingt dort hin, aber auf unserer grob geplanten Route würde das überall einen Umweg bedeuten. Warum also nicht gleich jetzt? Wir überlegen hin und her, verwerfen den Plan aber dann doch. Lieber erst mal südwärts, Italien zerrt uns wie an einem unsichtbaren Gummiband gezogen zu sich. Und die Wetteraussichten sind grandios. Bei der Weiterfahrt über den Brenner hat es selbst auf der Europabrücke noch 39 Grad und auch in Brennero noch 29 Grad. Wahnsinn. Am Lago di Caldonazzo beschließen wir, für drei Tage Rast zu machen. Der Platz hat einen schönen Strand und ist auch sonst wirklich nett. Wir bauen den Bus in den Campingmode und ich spanne mir eine Hängematte direkt vor die Schiebetür. Ich lege mich hinein, strecke mich laut „aaargh“ und „uuuuaaaaah“ sagend und genieße das Nichtstun. Wunderbar. Bis mich ein Blick auf die Markise schlagartig aus meiner Faulenzerei heraushebt: Links ist eine Falte, wo keine sein sollte. Ich springe raus und ahne Böses, beim Herantreten sehe ich dann das ganze Elend. Nun löst sich auch unsere Naht, welche beide Markisenbahnen miteinander verbindet. Oder verband. In der ersten Urlaubswoche. Klasse. Jetzt nur nicht die Laune vermiesen lassen, besser erst mal baden gehen. Den Abend beschließen wir dann mit ausgedehntem Futterfassen am Kieselstrand. Man muss dieses Land einfach lieben. Venedig Schon von unserem Stellplatz aus sieht man die Megayacht. Als wir heute früh mit der ersten Fähre nach Venedig übersetzen, kann ich auch den Namen sehen: Carinthia VII. Es ist die 97m-Yacht der Österreicherin Heidi Horten, die hier ihren Liegeplatz hat. Der Tender "Main" der Deutschen Bundesmarine, auf dem ich drei Monate meines Wehrdienstes verbracht hatte, ist nur drei Meter länger, hat aber weniger Verdrängung. Dafür fährt die Carinthia VII mit vier MTU-Dieseln, jeder einzelne mit um die 10.000 PS. Mal ein echt heißes Teil, für das es allerdings etwas an Kleingeld benötigt. Im Internet finde ich Schätzpreise zwischen 100 Mio Euro und 180 Mio US-Dollar. Und wenn ich mich wieder meines Vergleichs mit dem Marinetender bemühen darf: Dort war die Fahrbesatzung mindestens 30 Personen. Wie viele Leute hier wohl dafür Sorge tragen, dass Frau Heidi mit ihrem Boot fahren kann? Würde mich echt mal interessieren... Halb neun erleben wir Venedig noch einigermaßen erträglich. Es ist noch nicht so heiß und all zu viele Menschen sind noch nicht unterwegs. Wir bummeln durch die Gassen bis zum Fischmarkt, machen dort eine kleine Pause und beschließen bereits gegen Mittag schon, wieder zurück zu fahren. Sicher: Venedig ist schön anzusehen und hat eine großartige Geschichte, aber so wirklich wohl fühle ich mich dort nicht. Ich weiß auch nicht, woran es liegt, aber die Tatsache der „totalen Vermarktung“ und der Sachverhalt, dass riesige Kreuzfahrtschiffe in sensible Bereiche fahren, dürften ihren Teil dazu beitragen. Damit tue ich der Stadt, dem „ursprünglichen Venedig“, sicher unrecht. Aber ich kann da nicht aus meiner Haut.
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    Der Minibus war 2019 auch wieder unterwegs 😁
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    Ein Handy oder Tablet reicht aus, um sich die ganze Welt zu erschließen. Über 70 Browserfenster sind geöffnet, dazu google maps, zwei Wetterkarten, ein Regenradar und die online Mautberechnung der französischen Autobahn. Und dennoch sind wir uns noch nicht endgültig einig darüber, wohin es nun gehen soll. Ein eiskaltes Picon-Biere steht vor mir, Nele reitet auf einem Pony an uns vorbei und mir schießt ein Gedanke zwischen die Schläfen: Das Loire-Tal! Bildersuche: Sieht gut aus. Wettercheck: Warm, sonnig, stellenweise leicht bewölkt, Schauer und Gewitter möglich. Können wir mit Leben. Das wir uns von den sardischen Verhältnissen verabschieden müssen, ist uns ohnehin klar. Mautberechnung: Über 100 Euro wollen die Brüder von uns für die gut 600km haben. Das ist sicherlich gerechtfertigt, wir sind nach dem Tunnelmautschock aber nach wie vor nicht geheilt und entschließen uns zur Überlandfahrt. Am nächsten Morgen brechen wir früh auf, tippen „Routenoptionen“ und „Maut vermeiden“ ins Navi und ab geht die wilde Fahrt. Sanft geschwungene Landstraßen führen hinaus aus den Westalpen und gemächlichen Tempos hinein nach Zentralfrankreich. Mehrmals weisen wir uns gegenseitig, „Boah schau mal da!“, auf Destinationen hin, die ein Wiederkommen allemal erwägenswert machen. Märchenhafte Gebirgssträßchen vorbei an Wasserfällen, Bergdörfer, in denen noch keine Liftanlagen oder Mammut-SuperStores stehen und hohe, uralte, blumengeschmückte Brücken. Es ist das perfekte Bullirevier. Gegen späten Nachmittag biegen wir links ab, um uns einen Platz für die Nacht zu suchen. Im malerischen Charolles werden wir fündig. Es ist ein Franzosenstädtchen wie von Albert Uderzo gemalt: Windschiefe Sandsteinkaten mit kragentragenden Kaminen und welligen Spitzdächern, wie sie nur tüchtige Bauernhände und mindestens 200 Jahre Bewitterung schaffen konnten. Am Orsteingang befindet sich zwar auch hier, wie üblich, ein riesiger (und fantastisch sortierter) „intermarché“, aber dennoch gibt es einen lebendigen, offenbar funktionierenden, Ortskern mit Boucherie, Boulangerie, Krämerladen und sogar einem beachtlich ausgestatteten Instrumentenladen. Auf den Parkplätzen stehen alte Renaults und 2CVs, hier und da ein kompakt-quadratischer Franzose mit einer glimmenden Gauloises im Mundwinkel. Auch hier sind die Steinbogenbrücken mit enormen Blumenkästen beschmückt und der Ort wirkt heraus geputzt, als hätte man unsere Prominenz erwartet. Das Bild könnte aus meinem Französischbuch der achten Klasse sein. Apropos: Manchmal ist das Vorurteil gar kein Vorurteil. „Der Franzose“ hat tatsächlich wenig Bock, aus seiner Landessprache heraus in eine andere zu wechseln. So klemme ich mir mittlerweile meine „Do-you-speak-english?“-Einleitung und stammle sofort meine latent vorhandenen Französischkenntnisse runter. Zu meiner Verblüffung werde ich bislang immer verstanden und meistens antwortet man mir in einem radebrechend schnellem Französisch, das mir lediglich ein dümmlich grinsend vorgetragenes „Je n´ai pas compris.“ als Antwort übrig lässt. Das Resultat ist in der Regel eine etwas langsamere, dafür umso lauter vorgetragene, Version selbigen Wortlauts. Als wäre ich vor geraumer Zeit mal vor einen Brückenpfeiler geschwommen und seit dem ein wenig „besonders“. Aber es funktioniert, und auch in Charolles bekommen wir einen Topplatz für den bislang günstigsten Kurs. 14,60 Euro für uns alle mit Strom und Dusche und Klo und WLAN. Merci beaucoup, da fällt es uns im Traum nicht ein, uns an den Straßenrand zu stellen. Wir bleiben und beschließen unseren Hochzeitstag mit ein paar Dosen Kronenbourg. Am Morgen verzichten wir auf unser Nutellafrühstück zu Gunsten einer Patisserie. Eine bei uns familiär gewachsene Tradition ist die Verkostung von „Tarte citron“, Zitronenküchlein in diversen Varianten zwischen erträglich süß bis unerträglich süß, wo immer wir sie bekommen können. Claudias und mein Geschmack differieren hier, was die interessante Folge hat, dass es bei jeder Verkostung einen Gewinner gibt, der den Rest des Anderen essen darf. Im Anschluss dessen geht es weiter zum Chateau de Chenonceau, einem Prunkbau mit interessanter Anordnung des Hauptgebäudes: Quer über den Fluss „Le Cher“. Abends auf der Matratze komme ich ins Sinnieren: Unsere Reise durch einen Teil Europas sehe ich, ganz persönlich für mich, auch als Bildungsreise. Ich möchte Verstehen, warum scheinbar der ganze Kontinent derart nach rechts rücken kann, während wir uns in den friedlichsten (und wohlhabendsten) Zeiten befinden, die dieser Kontinent je erlebt hat. Ist es die Gewissheit darüber, dass es uns verdammt gut geht und die daraus resultierende Angst, dass uns dieser Wohlstand wieder genommen werden kann? Oder ist es mangelnde Kenntnis in Bezug auf unsere Nachbarn? Oder sind es konkrete Erfahrungen, die schwerer wiegen, als die globalen Zahlen? Gibt es so etwas wie einen gesunden Nationalismus, einen gesunden Patriotismus? Unsere französischen Nachbarn sind, den Eindruck habe ich, Patrioten. Sie fegen Ihre Marktplätze, hängen blauweißrote Fahnen über Ihre Eingangstüren, schmücken ihre Brücken mit irre bunten Blumenkästen, gießen sich ein Glas Wein ein und stecken sich die Gauloises in den Mund. Wie kommt man dabei aber auf den Gedanken, sein Kreuz bei Marine Le Pen zu machen? Ich vermute (in meiner mir eigenen Art als Küchenpsychologe), dass es die selben Ursachen sind, die der AFD in Thüringen und anderswo in Deutschland zu unfassbaren Ergebnissen verhelfen oder Boris Johnson zum Premierminister des United Kingdom werden lassen. Aber: Welche sind das?
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    Der neue Cali ist abgeholt. Die Übergabe war ok! Man musste mir ja nur die Neuigkeiten erklären. Diese dafür aber etwas genauer. Wie jeder Cali hat meiner auf einen Hängehintern. Schon in der Ausstellung im unbeladenen Zustand sieht das blöd aus. Da muss ich ran! Das Infotainmentsystem macht einen tollen Eindruck. Ich hatte befürchtet, dass es nicht so brillant wie im Touareg ist. Aber die Bildschirmauflösung ist mit 1280 x 640 Pixeln wirklich toll und identisch mit der im Touareg! Kein Vergleich zu der Auflösung im T6 mit Bildschirmauflösung 800x480. Messerscharfe Grafik und tolle Rechenleistung! Die Verkehrszeichenerkennung funktioniert toll. Man kann auch einstellen, dass man optisch und oder akustisch eine Warnung bekommt wenn man zu schnell fährt. Einstellbar 0, 5 oder 10km/h zu schnell. Beim fahren ist die neue Lenkung der größte Unterschied. Der Laneassist funktioniert exakt so feinfühlig wie im Touareg! Kein Vergleich mit dem eher groben einwirken im Crafter. Man kann auch einstellen, dass man kurz vor eingreifen eine Vibration aufs Lenkrad bekommt. Ein bisschen anders empfinde ich die Warnung, dass man das Lenkrad wieder übernehmen muss. Diese Warnung bekam ich öfters obwohl ich eine Hand am Lenkrad hatte. Das habe ich im Touareg nur wenn ich das Lenkrad ganz loslasse. Die neue CU sieht schön aus und die Steuerung der Lampen macht Spass. Toll, dass jetzt wirklich alle Lampen angehen, wenn man das Fahrzeug aufschließt. Die nervige doppelklickerei am Lichtschalter des Geschränks ist Geschichte. Wie und ob hier Hochdachhersteller wie Polyroof die Dachhydraulik aus der CU herausprogammieren können, konnte nicht beantwortet werden. Ich denke das Ding ist jetzt im Datenbus des Fahrzeugs eingebunden. Wir werden die Tage mal auslesen. Traurig: Ich habe Wasserzustandheizung und Luftzusatzheizung bestellt. Man kann aber laut dem Übergabepersonal nur eine Heizung gleichzeitig anschalten. Die Auswahl erfolgt in der CU. Diese Auswahl ist dann auch per Fernbedienung aktivierbar. Die neue Fernbedienung ist winzig und sieht edel aus! Was mir auch keiner erklären konnte, ist ob die Funktion "Standlüften" Serie ist oder nur aktivierbar ist, wenn man eine WWZH bestellt hat. Die Funktion ist im Sommer bestimmt hilfreich um warme Luft aus dem Fahrzeug zu pumpen. Im Laufe der nächsten Tage werde ich weiter berichten. Wir bauen auch noch einiges um. (Solar und großer 230V Wechselrichter sind geplant)
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    Hallo zusammen, unser GC600 ist nun seit über 4 Monaten im Einsatz und für alle die es interessiert, hier ein kleiner Bericht. Wir sind von einem California-Ocean auf einen GC600 umgestiegen. Wir haben das Fahrzeug nicht bestellt, sondern einen bereits produzierten Neuwagen bei einem VW-Händler spontan gekauft. Man merkt dass das Fahrzeug an vielen Stellen am Innenausbau noch etwas Erfahrung braucht, aber im Großen und Ganzen ist das Fahrzeug ein Traum. Das Handling und die Motorisierung sind wirklich gut und die Fahrerassistenzsysteme sorgen für entspanntes Fahren. Die meisten Mängel, welche bis jetzt aufgetaucht sind, habe ich nicht über den Service machen lassen, sondern selbst behoben. Meiner Erfahrung nach werden Sachen nur wieder auf Werkszustand gebracht, und daher ist es wahrscheinlich dass diese Dinge im gleichen Zeitraum wieder auftauchen. (Termin vereinbaren, hinbringen, abholen, die Hälfte ist nicht gemacht, noch einen Termin, etc.) Auch müssen momentan alle Probleme von den Vertragspartnern erst an VW gemeldet werden und die entscheiden dann was wie gemacht wird. Daher behebe ich die meisten Sachen selbst und somit ist der GC momentan öfters ein kleines Bastelobjekt, aber fast alle Probleme lassen sich meist einfach in besserer Form schnell lösen und reparieren. Was bis jetzt defekt war: Tür Schrank Bad: Hier sind die Schrauben von den Scharnieren am Korpus ausgerissen. Die Bügel haben zu viel Kraft für die kleinen Schrauben. Schrauben durch dickere getauscht. Tür Serviceklappe Heizung: das Selbe wie Türe Badschrank Scharniere Klappbett: auch diese haben sich komplett verabschiedet. Mit 3x 30 mm Schrauben befestigt. Die Leisten der Regale im Bad sind nur mit weichem Klebeband befestigt. Bei 35°C Außentemperatur und vollen Regalen hat das Klebeband sich verflüssigt. Das Band lässt sich leicht entfernen. Jetzt mit Kleber verklebt. Die Frischwasserpumpe hatte mehrere Wochen keine Funktion: Den Grund habe ich bis heute nicht gefunden. Die Frischwasserpumpe läuft anscheinend über eine Zentralelektrik. Diese prüft Wasserstand und alle Schalter und entscheidet dann, ob die Pumpe aktiviert wird. 2 Tage vor dem Servicetermin ging es natürlich wieder. In der Zeit hatten wir die Pumpe mit einem Schalter manuell betätigt. Optimierungen: Befestigung Tisch: Der Tisch wird mit 2 Halterungen und einen Hebel rechts hinten eingesetzt und befestigt. So geht er nicht im Weg um, lässt sich leicht befestigen und der Zugang zum Gasschrank ist leicht möglich. Solar: Die Solaranlage von VW an der Front macht wenig Sinn. Hier habe ich 2 Solarmodule mit je 60 Watt auf das Dach gepackt. Etwas Tetris, aber es hat geklappt. großer Schrank hinten unten: hier gab es 2 Böden und Licht. Befestigung Klappmechanismus Bett: Das Bett seitlich zu klappen und dann mit den Bändern zu fixieren ist eine Tortur. Vor allem wenn man schnell an die Schänke will. Hier habe ich die Bänder entfernt und eine Fixierklammer am Heck gedruckt. Jetzt lässt es sich einfach hochklappen und es rastet von selbst ein. Kühlschrank: Der verbaute China-Lüfter hat uns in der Nacht oft genervt. Dieser wurde gegen einen Silent-PC-Lüfter getauscht. Frontverdunkelung: hier verwenden wir Thermomatten von Projekt Camper. Diese lassen sich nicht nur schneller einsetzen, sondern sind auch dunkel (https://www.project-camper.de/shop/magnet-thermomatten-vw-crafter-2) Alle Schränke oben haben wir mit IKEA Boxen bestückt. Die Schränke haben zwar durch den verbauten Holm innen ein etwas eigenwilliges Platzangebot, aber für 2 Wochen und 3 Personen ist Platz genug. Nächstes Projekt: Wintercamptauglich machen. - 2. Batterie - Heizung Abwassertank - Dämmung Türen und Fußraum Frontbereich Soweit, so gut.
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    Hallo, Aus gegebenem Anlass muss ich das leidige Thema mal wieder nach vorne holen. Allein heute habe ich wieder eine Reihe massiver Copyrightverstösse in Form von urheberrechtlich geschützten Bildern entfernt. Und wenn auf Hinweise darauf auch noch uneinsichtige Antworten kommen, hört bei mir der Spass auf. Es sollte jedem, der sich im Internet bewegt mittlerweile klar sein, dass dies kein rechtsfreier Raum ist und Verstösse gegen das Urheberrecht sehr kostspielige Folgen in Form von Abmahnungen für den Forenbetreiber haben können. In Zukunft werde ich kommentarlos Bilder, Screenshots u.s.w. die eindeutig gegen das Copyright verstossen durch diesen Hinweis ersetzen: Im Wiederholungsfalle und bei besonders uneinsichtigen Usern erfolgt eine Verwarnung. Ich bitte um Beachtung und danke für´s Zuhören. Gruss, Stephan
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    Servus z´sam! Jetzt bin ich aktuell nicht sicher, ob ich diese Bilder von unserer Georgienreise (2018) bereits mal vorgestellt habe... Zumindest hab ich hier nichts gefunden. Falls doch, bitte Bescheid sagen, dann werd ich sie wieder löschen Viel Spass im hochalpinen Bereich von Georgien mit Pässen bis auf 3000m und Berge, die über 5000m hoch sind (Teil1)... Paul Furten durch Schwarzwasser nach heftigen Regenfällen vom Vortag... Im Kaukasus... sehr stimmungsvoll und beeindruckend. Gemüse putzen am Logen-Stellplatz auf knapp 3.000m mit Blick zu den 5.000ern, es gibt echt schlechteres... Da ist der Weg... oder direkt daneben... oder ganz woanders? Wir sind im georgisch-/russischen Grenzgebiet, rechts im Hintergrund sind die Baracken der Grenzpolizei, wo man sich im Grenzgebiet anmelden muss. Suchbild "Stellplatz am Bachbett". Hier gibt´s wirklich keine "großen Weißen" 😉 Der "Weg" geht am nächsten Tag auf erahnbaren Fahrzeugspuren des letzen Jahres, querfeld weiter, Richtung der dunklen Berge
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    Hallo, nachdem bei mir ein paar ungewöhnliche Perspektiven von/mit dem Bus angefallen sind, dachte ich, eine eigene Rubrik ist ganz nett. Hier sehr Ihr, was ich mir unter kurios vorstelle (manche sind auch im "Schöne Cali-Bilder" schon vorhanden): Der Leuchtturmcali Vielleicht lehren ihn die Boote, wie er schwimmen kann?! Die pinkfarbige Nähmaschine - ein faux pas im Bild der roten 😳 Ohrschmuck für die Cali-Lady: Sie trägt Dorsch! Manchem Cali kann es nicht groß genug sein und er wird übermütig mit dem Riesenschneeschild Düngt man den Cali ein wenig, wachsen auch Bäume auf dem Dach (Es ist gerade Winter, die Blätter sind schon abgefallen) Wenn des Teufels Zähne (in Senja/Norwegen) aus dem goldenen Zahnfleisch leuchten, will der Cali nicht nachstehen und es wächst ihm ein roter Spitzzahn Ist der Cali nicht schnell genug, trifft ihn ein Hurtigrutenschiff volle Breitseite 😩 Merkt er den Angriff rechtzeitig, nimmt er das Schiff einfach Huckepack 😛 Eine neue Konfigurationsmöglichkeit: Der Doppeldachbalg In Norwegen kann sich der Cali bei Regen ganz extravagant unterstellen: Auf solche Ideen kommt die Fahrerin, wenn der Bus Kilometer frißt 😛 Jetzt bin ich gespannt auf Eure Kuriositäten!
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    Costa Rei Kurz nach 7:00 Uhr werden Claudia, Nele und ich über die Auffahrrampe einer mit Tweety-Figuren bemalten Fähre in das Innere des Schiffs gelotst. Der Bulli verschwindet im ersten Autodeck und ich treibe uns, mittlerweile erfahren im Umgang mit Fähren, die Niedergänge empor. Nele hat Ihren Hasi, Claudia ist behängt mit Taschen und Proviantbeuteln und ich stürme frei jeglichen Ballasts empor und erkunde den Weg des geringsten Widerstands. Wir erreichen somit im ersten Stosstrupp das Sonnendeck und ergattern uns drei Liegestühle. Jackpot! Die dritte Woche sind wir jetzt unterwegs und eingespielt, uns macht keiner mehr was vor. Als der Dampfer ablegt, öffne ich eine Dose “Paulaner Helles” und zelebriere das Auslaufen aus Livorno. Die Überfahrt verläuft überraschend entspannt. Liegestühle und Kaltgetränke können Erstaunliches bewirken. Wir liegen, lesen, quatschen, essen, dösen, sehen Korsika an uns vorüber ziehen und sind, schwupps, schon fast da. In Olbia fährt die Fähre noch ein spannendes (für mich jedenfalls) Wendemanöver. Es ist tatsächlich ein riesiger Kahn und ich bin gespannt, wie die Besatzung das Teil in dem engen Hafenbecken drehen will: Der Lotse lässt weit nach Backbord laufen und zu dem Zeitpunkt, wo alle Fahrgäste glauben, dass es gleich mächtig scheppern wird, das Ruder hart auf Steuerbord legen und die Antriebe rückwärts drehen. Ein schlammig-grauer Whirlpool erscheint im Achterwasser und das Heck zieht in atemberaubender Geschwindigkeit eine Kreisbahn vor der Gebirgskulisse des Eilands. Ich bin so beeindruckt, dass ich die Lautsprecherdurchsagen fast gar nicht mitbekomme: Halter der Fahrzeuge in Deck 1 sollen sich eben dorthin begeben. “Du bist witzig” denke ich beim Hören der holprigen Durchsage: Alle Wege ins Deck 1 sind verstopft, denn mittlerweile will jeder zu seinem Auto. Es geht im Schneckentempo vorwärts und ich denke mir: “Was, wenn es hier mal brennt?”. Im Autodeck geht das Chaos nun aber erst richtig los: Ein orange gekleideter Einweiser mit Trillerpfeife zwischen den gespitzten Lippen bestimmt, in welcher Reihenfolge und auch mit welchem Lenkeinschlag das Deck verlassen werden soll. Mit abwechselnd langen, kurzen, lauten, leisen, langgezogenen und abrupt stoppenden Trillerpfeifsignalen bemüht er sich um Kommunikation mit den Fahrzeuglenkern. Er gibt sich sichtlich Mühe. Das Problem allerdings ist, dass uns Fahrzeuglenker nie jemand in die Signaltypologie seiner Trillerpfeifmelodien eingewiesen hat. So schauen wir ihm erst alle ein paar Augenblicke verzückt zu, bevor wir gemeinsam beschließen das Deck zeitgleich über die schmale Rampe zu verlassen. Als wir mit schwankenden Fahrradträgern aus dem Rumpf poltern,stehen weitere Trillerpfeifen mit Männern dran am Pier und fuchteln mit den Armen. Zweispurig geht es im Renntempo auf den Hafenausgang zu, vor dem ein STOP-Schild einen kurzen Anhaltevorgang vorschlägt. Im Rückspiegel sehe ich eine V-förmige Flotte mehrerer SUVs in einer Staubwolke auf uns zu donnern, entschließe mich, das STOP-Schild wie alle hier zu ignorieren und springe mit geschlossenen Augen und durchgedrücktem Gasfuß raus aus dem Hafen und rein in den Kreisverkehr. Als ich die Augen wieder öffne, steht drei Meter vor uns erneut eine Trillerpfeife, sieht mit schreckerfülltem Gesicht das brombeerfarbene Unglück mit VW-Emblem im Grill auf sich zurasen, springt aus dem Stand mehrere Meter in die Höhe und versucht dort oben in alle Himmelsrichtungen gleichzeitig zu fliehen. Hallo Sardinien, da sind wir. Während wir uns grob nach Südosten orientieren, sucht Claudia einen Campingplatz im vor uns liegenden Bereich raus und tippt die Adresse ins Navi. Nach etwa 2 Stunden Fahrt über gut ausgebaute Autobahnen mit angenehm niedrigen Tempolimit erreichen wir den Platz, dessen Name irgendwie nach bewusstseinserweiternder Rauchware klingt. Eingebettet in einen Pinienwald stellen wir den Bus ab und gehen erst mal an den Strand. Der Wind bläst ordentlich und vor der Brandung laufen Rettungsschwimmer mit Baywatch-Bojen auf und ab. Sehr sehr fein, genau das wollten wir haben. Hübscher, kleiner Platz und schöner Strand direkt davor. Topadresse. Schade, dass wir morgen schon wieder weiter ziehen. Wir hatten im Vorfeld bereits einen empfohlenen Platz vorgebucht. Ich könnte mir schon wieder in den Arsch beißen, dass ich den Fehler erneut begangen habe und ich sage hier in aller Öffentlichkeit: Sollte ich jemals wieder einen Campingplatz vorbuchen, tausche ich den Bulli gegen einen Teilintegrierten. Nele findet schnell Anschluss an die Geschwister Merle und Jule und als wir auch noch feststellen, dass die beiden zwei sehr sympathische Eltern haben, fällt uns die Weiterfahrt am nächsten Tag dreifach schwer. Ich tue insgeheim erneut Buße und nehme mir vor, 100 mal niederzuschreiben: “Ich werde nie wieder einen Campingplatz vorbuchen.” Schweren Herzens also fahren wir über traumhafte Bergstraßen durch das Gennargentu-Gebirge an die Costa Rei. Der Empfang am Camping Oceanview* ist ausgesprochen nett und wir bekommen ein paar Stellplätze zur Auswahl in die Platzkarte gepinselt und marschieren los, uns den besten herauszupicken. Beim Gang auf das Gelände wird aus unserem freudig-erregten Gequatsche stummes Entsetzen. Auf dem staubigen Sandplatz stehen verlodderte Dauercamper-Wohnwagen, verrostete Gemeinschaftsgrills und krumme, vergammelte Baldachingestelle. Wir sind etwas irritiert und laufen weiter. Claudia kennt mich lange genug um zu sehen, daß ich ernsthaft angepisst bin. “Heh, wir machen jetzt erst mal das Beste draus.” macht sie den einzig vernünftigen Vorschlag. Mir ist aber gerade nicht nach Vernunft. Ich habe diese Wüste für 9 Tage reserviert. Wie konnte ich nur so dumm sein? 230 Euro sind bereits angezahlt. 230 Euro, für diese Einöde hier. Wir checken unsere Optionen und beschließen, den ersten Eindruck erst mal sacken zu lassen. In Anbetracht meines stark angestiegenen Ruhepulses übernimmt Claudia die Verhandlung mit der Rezeptionistin. Ich bin momentan weit weg davon, sachlich mit einem Mitarbeiter des Oceanview* über diese Bruchbude hier debattieren zu können. Claudia hingegen kann: Sie handelt aus, dass unsere Anzahlung bleibt, wir entgegen den Platz-AGBs aber nicht die vollen 9 Übernachtungen im Vorfeld bezahlen sondern nach drei, vier Übernachtungen die Situation überdenken. Dazu gibt es noch zwei WiFi Codes. Wow, ich bin beeindruckt. Wir beziehen Stellplatz 64, steigen aus und grüßen den mürrisch dreinschauenden Dauercamper gegenüber. Unser Gruß wird nicht erwidert, stattdessen starrt er uns fortwährend an. Bloß gut, dass wir gerade noch einkaufen waren. Einen ganzen Karton Ichnusa-Bier in handschmeichelnder 66cl-Abfüllung habe ich aus dem Minimarkt gechleppt. Dem Himmel sei Dank, jetzt erst mal ein Bierchen. Ich setze mich hin und starre zurück. Nach einem ausgedehnten Spaziergang sitzen wir abends vorm Bus und schauen dem in den Druckwellen der Technobässe pumpenden Sonnensegel zu. Das ganze Auto vibriert im Takt der “Animation” genannten Körperverletzung. “Fump fump fump” dröhnt es aus riesigen Lautsprechern, bis ein debiler, mich irgendwie an Eagon von den Ghostbusters erinnernden, Möchtegern-DJ den Regler kurz nach unten zieht um über sein Funkmikrofon auf dem Zweitkanal “Shake shake your hands!!!” zu skandieren. Dann wieder “fump…. fump fump fump”, beendet mit einem “Mooooaaaaaaaaah aplauso!!!!” Das nennen sie hier dann, tatsächlich, “Baby-Dance”. In meiner Jugend hieß das “Hardcore-Night”, begann allerdings drei Stunden früher. “Ich hätte in San Marino doch ein Souvenir aus einem der zahllosen Waffenshops mitnehmen sollen.” denke ich. Claudia und ich sind uns einig: Wir reisen morgen weiter und pfeifen auf die Anzahlung. * = Name von der Redaktion geändert. Die hier geschilderten Eindrücke sind objektive Momentaufnahmen. Der Platz hat, insbs zur Zeit unseres Vorortseins, ein paar Schwierigkeiten gehabt. Neben unseren Eindrücken gibt es aber eine Vielzahl positiver Berichte über diesen Platz. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, hier an dieser Stelle einen Fakenamen zu verwenden.
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    Hier etwas das sicher schon x-mal diskutiert worden ist aber ich stelle es jetzt gleichwohl einmal online. Ich habe mir neue Stühle gekauft für die Heckklappe, da ich finde (da bin ich anscheinend nicht alleine), dass die originalen einfach nicht der burner sind. Die Stühle sind stabiler, bequemer, der Rücken der Stühle ist viel höher (obwohl nicht die XL Version, die wahrscheinlich auch gehen würde), sie sind viel leichter usw. Auch zu erwähnen ist, dass sie super hinten in die Heckklappe passen, (siehe Bild unten, links der neue rechts der originale), nur den Befestigunshaken, kann kann mann nicht mehr gebrauchen. Wir haben sie zwar noch nicht in der Praxis testen können aber der erste Eindruck ist top. Unsere originalen sind zwar nicht kaputt oder sonstwas aber sie sind einfach nicht wirklich bequem, dass ist mir aber erst jetzt richtig aufgefallen wo ich den Vergleich habe. Auch sehr gut ist, dass sie nicht mehr einklappen können dank einem Sicherheitshaken. Einzig kleines Manko bis jetzt, sie knirschen ein bisschen beim hinsetzten, könnte aber auch sein, dass das nur so ist weil sie neu sind. Absolut empfehlenswert👍👍👍
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    Hallo zusammen Ixh verlasse jetzt das Wartezimmer nach einem 16 Stunden Tag zufrieden und glücklich daheim angekommen Nächste Woche geht es dann direkt zum folieren. Beste Grüße und allen anderen frohes warten eine Abholung in Hannover lohnt sich 😁
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    Tag 7 Die Nacht war ruhig und erwartungsgemäß bin ich am nächsten Morgen eingeschneit. Da die erste Kolonne zum Nordkap erst um 11:00 Uhr startet, habe ich genügend Zeit für ein gemütliches Frühstück mit Ei. Beim Frühstücken kann ich meinen Nachbarn beobachten, der trotz Schneeketten erhebliche Schwierigkeiten hat, den Parkplatz zu verlassen. Für den Fall der Fälle habe ich auch Schneeketten dabei und einen Klappspaten griffbereit. Zum Abschleppen ist auch die Anhängerkupplung bereits montiert. Außerdem habe ich vor der Reise zwei neue Nokian Winterreifen auf die Vorderräder montiert. So gerüstet hatte ich auf der gesamten Reise keinerlei Schwierigkeiten. Weil bis zur Abfahrt des Konvois immer noch genügend Zeit ist, mache ich noch einen Abstecher nach Skarvåg. Kurz vor 11:00 Uhr versammeln sich einige Fahrzeuge, die im Konvoi zum Nordkap fahren wollen der Schneepflug wartet bereits auf uns. Um 11:00 Uhr geht es ohne weitere Ankündigung los. Die Schranke öffnet sich und der Schneepflug fährt los, gleich dahinter ein Reisebus und dann die Fahrzeuge unsere Kolonne. Meine Helden des Tages sind die beiden Reisenden auf dem Motorradgespann, die sich von Russland auf den Weg zum Nordkap gemacht haben. Die Fahrt zum Nordkap ist nicht anspruchsvoll, dafür gibt es wunderbare Ausblicke bei sonnigem Wetter. Am Mauthäuschen für das Nordkapplateau kommt die Kolonne erstmals zum Stehen. Für jeden Insassen müssen umgerechnet 29 € als Eintritt bezahlt werden. Kurz darauf stehen die Fahrzeuge auf dem Parkplatz des Nordkap Plateaus. Fast alle Reisenden stürmen sofort zu Weltkugel und starten die üblichen Rituale. Gruppenfoto, Einzelfotos, kleine Gruppe, alle hüpfend, Kussmundfotos, mit freiem Oberkörper, zwei nehmen einen dritten auf die Schultern, geballte Fäuste in den Himmel, mit dem Rücken zur Kamera, Fotos mit Fahnen und jede Menge Selfies. Gefühlt bewegen sich bestimmt alle Mietwagenfahrer in Roald Amundsens Fußstapfen. Eigentlich hatte ich vor, mit dem Bus bis an die Weltkugel zu fahren, aber es liegt so viel Schnee, dass mir das Risiko zu groß ist. Wer mit dem ersten Konvoi angereist ist, sollte sich zum Fotografieren beeilen denn eine Stunde später ist Ankunft der zweiten Kolonne auf dem Nordkapplateau. Jetzt treffen die Reisenden der Hurtigruten ein und auf einen Schlag sind weitere 400 Personen an der Weltkugel. Daher verlassen die meisten Fahrzeuge der ersten Kolonne das Nordkap gleich mit der ersten Rückfahrt um 13 Uhr. Mein spontanes Reiseziel, das Nordkap, habe ich also erreicht. Jetzt geht es zurück nach Tromsö, denn dort wartet am Mittwochabend hoffentlich das Postschiff auf mich. Für Dienstag- und Mittwochnacht ist außerdem starkes Nordlicht angesagt, deshalb will ich versuchen, möglichst rasch nach Tromsö zu fahren. Vorher lege ich aber eine 20-minütige Pause tief unten im Nordkap Tunnel ein. Warum? Weil das eine gute Möglichkeit ist, im warmen Tunnel den Eispanzer vom Bus loszuwerden. Schon auf der Hinfahrt sind mir in der Bucht vor Honningsvåg die großen Tanker aufgefallen, die dort vor Anker liegen. Es handelt sich dabei um LNG Tanker, die flüssiges Erdgas von der russischen Jamal Halbinsel nach Europa bringen. Warum Ankern die bei Honningsvåg? Bei den blauen Schiffen handelt es sich um Eisbrecher, die das flüssige Erdgas von den Förderstellen hierher bringen. Hier bei Honningsvåg wird das flüssige Erdgas auf normale Gastanker umgeladen, die es dann nach Mittel- und Südeuropa weiter transportieren. Das ganze läuft weitgehend ohne externe Infrastruktur. Für die Schiffsmanöver sind hier vier Schlepper stationiert, denen ein großer Schwimmponton als Anleger dient. Die Fahrt auf der E69 am Porsangerfjord entlang ist wieder recht Anspruchsvoll. Einem Reisebus sind die 80km/h aber offenbar zu langsam, den lasse ich an einer Parkbucht lieber vorbei. Bei Gegenverkehr kann ich gut sehen, wie sich das Licht auf der Fahrbahn spiegelt. Es ist also wieder spiegelglatt. Zwischen Olderfjord und Skaidi sind schon wieder große Schneeverwehungen auf der Straße. Und weil es nicht besser wird, bleibe ich etwa 20 Kilometer hinter Skaidi an der E6 auf einem geräumten Parkplatz am Goahtemuorjohka Fluss stehen. Der Platz ist im Flusstal einigermaßen geschützt und bestimmt besser als oben auf den Fjell, wobei „oben“ ja lediglich 350 Meter bedeuten. Hier standen wir 2016 schon mal mit einem Wohnmobil und haben uns am Flussufer den Mücken zum Fraß vorgeworfen. Bestimmt warten die schon unter dem Schnee auf neue Touristen. Ich nutze den Abend, mache mir eine warme Mahlzeit und sichere dann die Fotos der letzten Tage. Immer wieder schlagen draußen Autotüren, denn ich bin nicht allein auf dem Parkplatz. Auch hier schlafen Reisende in ihren PKW, was für sie natürlich mit viel hin und herräumen verbunden ist.
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    Hallo zusammen, es ist eine außergewöhnliche Situation für alle – wir werden in einem nicht vorstellbaren Ausmaß in unser persönlichen Freiheit sich zu bewegen und Reisen eingeschränkt. Das führt zwangsläufig zu Spannungen wie die Beiträge auch hier zeigen. Keiner wird die Unbedingte Schutzwürdigkeit unserer älteren Mitmenschen in Frage stellen. Keiner wird nicht die furchtbaren Bedingungen ignorieren können unter denen ein bis an ihre körperliche und seelische Belastungsgrenze gebrachtes Pflegepersonal und Ärzte versuchen Menschen zu helfen und zu retten. Keiner wird die dramatischen Auswirkungen auf unsere Wirtschaft nicht sehen, auch wenn er in der glücklichen Lage ist sie nicht selber unmittelbar spüren zu müssen. Also was tun? Körperliche Distanz halten zu anderen Menschen – Punkt! Wenn ich in einem kleinen Dorf auf dem Land lebe mit Wiesen und Kuhweide vor der Tür und dann raus spazieren gehe ist Distanz halten eine andere Frage als in Berlin, wo alle sich zusammen auf einem kleinen Fleckchen Grün tummeln. Wenn ich mir der Situation und der notwendigen Verhaltensregeln bewusst bin und dann alleine im Wald stehe, ist es eine andere Frage als wenn sich eine Gruppe Menschen draußen trifft und zu Sechst auf einer Bank sitzend und davor stehend sich unterhält. Aus dieser Diskrepanz heraus kommen sicher die verschiedenen Ansätze, die hier diskutiert werden, ob man sich jetzt mit seinem Cali rausbewegen darf oder nicht. Aus dieser Diskrepanz heraus kommt auch die Vehemenz der Diskussion, ob man um Bedrohliches Fehlverhalten unterbinden zu können zu drastischen Maßnahmen wie einer behördlich verhängten Ausgangssperre greifen muss oder nicht. Was ist meine persönliche Konsequenz? Ich bleibe zu Hause, arbeite von zu Hause, bespassse mein Kind zu Hause, genieße die Sonne im Garten, genieße die Gelassenheit nicht der normalen Hektik meines sonstigen Alltages unterworfen zu sein, genieße Zeit zu haben in Ruhe zusammen mit meiner Familie zu kochen, genieße Zeit zu haben ein Buch in Ruhe zu lesen. Ich schreibe den mir wichtigen Menschen in meinem Leben und telefoniere mit ihnen. In diesem Sinne wünsche ich allen eine sichere und ruhige Zeit, bleibt gesund! Viele Grüße, Sabine PS: Ich bin mir durchaus bewusst mich in einer Privilegierten Lage zu befinden. PS 2: ich finde das Wort Social distancing furchtbar – gerade in Zeiten wie diesen ist emotionale Nähe wichtig. Nur die Ausdrucksformen muss andere Wege finden, eben keine körperliche Nähe.
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    Als Ergänzung zu meiner Miniküche im Cali Beach baue ich gerade ein Minispülbecken für die Tischschiene. Der Rohbau steht, und eben war Anprobe: Das kleine Möbel wird auch mit den Tischschienen-Haltern von @BenCH befestigt. Es schmiegt sich an die Verkleidungen an und kann sich dort auch abstützen: Nach dem Finish (Lackierung schwarz matt) werde ich an den Berührungspunkten noch selbstklebendes Moosgummi anbringen als Schutz für die Verkleidungen. Dann wird auch der klappbare Deckel befestigt: Für Frisch- und Abwasser steht jeweils ein 10l-Kanister zur Verfügung, die dort Platz finden, wo beim neuen T6.1 Miniküchen-Beach das große Ablagefach ist: Das ganze erhält noch eine Verkleidung aus Alu-Blechen, die noch mit Filz beklebt werden: Der kleine Spülblock hat 2 Aussparungen, in die der Cali-Tisch eingehängt werden kann: Schöner Nebeneffekt: Der Tisch steht dadurch etwa 14 cm weiter im Innenraum und ist somit besser vom Beifahrersitz und dem rechten Platz auf der Rückbank aus nutzbar. Das Spülbecken ist 265x160x100 mm groß. So, ich bastel jetzt weiter... Gruß Mark
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    Hallo zusammen, hier wird immer mal nach Campingplatz-Tipps für Korsika gefragt. Und auch im echten Leben werden wir immer mal wieder gefragt. Als Korsika-Fan (ich war in den letzten 30 Jahren ein gutes Dutzend mal auf der Insel) hatte ich mal einen ganz kurzen Reisebericht bzw. Mini-Reise- und Campingplatzführer für Cali-Freunde von uns (Korsika-Neulinge) verfasst. Er erhebt absolut keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und meine Vorliebe für die Westküste und den südlichen Teil der Ostküste ist leicht zu erkennen. Trotzdem ist er vielleicht für den ein oder anderen hilfreich. Los gehts: Wir haben mal eine Korsikarunde zusammengestellt, die wir so ähnlich im Jahr 2017 gemacht haben. Ankunft/Abfahrt war jeweils in Bastia. Der erste Campingplatz Acqua Dolce ist bei Saint-Florent. Da ist man von der Fähre aus auch bei Verkehr in einer knappen Stunde, und die Reception ist abends ziemlang lang geöffnet. Man kann also auch eine späte Fährverbindung nehmen. Der Camping ist einfach, aber mit einer netten Pizzeria, einem Minimarket und quasi direkt am Strand. Das Meer ist ganz flach. Man kann zu Fuß nach Saint-Florent laufen. Das ist aber schon ein längerer (Strand-)Spaziergang. Richtung Süden kann man von dort an der Küste entlang zu einigen Buchten der Deseert des Agriates wandern. Komfortabler geht das per Ausflugsboot von St. Florent aus, wo u.a. Touren zum Plage de Saleccia angeboten werden. Der nächste Campingplatz La Morsetta liegt zwischen Calvi und Galéria an einem Strand mit rosa Kieselsteinen. Die Fahrt dahin führt an der landschaftlich tollen, teilweise unbesiedelten Nordwestküste über kleine Straßen. Obwohl die Entfernung nicht weit ist, sollte man genug Zeit einplanen. Das gilt auch für die nächsten 2 Etappen. Kurz nach Saint-Florent passiert man die Halbwüste "Desert des Agriates". Es gibt einen kleinen Weg zum Plage de Saleccia, einem traumhaften Strand, wo es auch einen Campingplatz (U Paradisu) gibt. Der Weg ist je nach Zustand nur mit Allrad/großer Bodenfreiheit befahrbar. Grundsätzlich muss man häufig an der Macchia vorbeifahren, und holt sich kleine Kratzer. Vor 5 Jahren waren wir dort, mit dem Allrad-Bus von meinem Bruder ;-). Mit unserem neuen Bus wollten wir uns das nicht antuen... Der Campingplatz La Morsetta liegt direkt am Meer. Er ist offenbar jetzt in italienischer Hand, und es gibt entsprechend viele italienische Dauergäste. Für 1 bis 2 Tage lohnt er sich aber trotzdem... Weiter gehts an der Westküste Richtung Süden. Wir waren letztes Jahr in einem Rutsch von La Morsetta zum Chez Antoine gefahren. Das war viel zu weit! Auf den wunderschönen kleinen Sträßchen kommt man einfach nicht so schnell voran. Von späteren Platznachbarn hatten wir den Campingplatz Les Oliviers bei Porto empfohlen bekommen. Wir waren selber nicht da. Er liegt nicht direkt am Meer, es gibt aber wohl einen beheizten Pool, und man kann schöne, kleine Wanderungen in der Nähe machen. Kurz nach Porto schlängelt sich die jetzt extrem kleine Straße durch die "Calanque de Piana", die bizarren Felsformationen. Nicht dass es so schon knapp wird, wenn einem größere Wohnmobile entgegenkommen, es parken natürlich auch noch überall Autos und die Leute sind zu Fuß unterwegs, auf der Suche nach dem schönsten Fotoplätzchen. Da ist Schritttempo, und manchmal auch rückwärtsfahren angesagt. Um Ajaccio herum wird es natürlich etwas urbaner bzw. sogar industriell. Wir sind da bisher immer zügig dran vorbeigefahren, und haben allenfalls im Decathlon die Campingausstattung erweitert bzw. erneuert, um Richtung Campingplatz Chez Antoine zu fahren. Der liegt im Golfe de Valinco, gegenüber von Propriano, direkt an einem schönen Sandstrand. Die Einfahrt ist ziemlich versteckt. Obwohl ich in den letzten 30 Jahren fast zehn mal dort war, fahr ich noch manchmal dran vorbei. Der Platz ist sehr einfach. Morgens kommt ein Bäcker, und es gibt ein kleines Restaurant/Pizzeria, auf einem Felsen etwas oberhalb vom Strand. Ansonsten kann man aber nichts kaufen. Man muss alles mitbringen, oder kleine Versorgungsfahrten nach Propriano machen. Es gibt schöne Stellplätze, die teiweise nur durch ein paar Macchiabüsche vom Strand getrennt sind. Der Platz ist sehr eben und übersichtlich. Man kann die Kurzen also problemlos mit den Laufrädern etc. quer über Platz jagen lassen. Die Betreiberin, Mado, ist halb Korsin und halb Deutsche, und ziemlich schräg drauf, was auch für einige Gäste gilt. Irgendwie haben wir uns da immer wohl gefühlt 😉 Hier mal ein Bild von Stellplatz Nr. 1a: Die Versorgungsfahrten kann man wunderbar mit kleinen Ausflügen verbinden. Z.B. zur prähistorischen Ausgrabungsstätte in Filitosa, an die Promenade von Propriano, oder in das schöne Bergstädtchen Sartène, was in Reiseführern gerne als "die heimliche Hauptstadt" bezeichnet wird. Sartène kann man auch auf der Weiterfahrt Richtung Süden besuchen. Auch auf dem Weg zum nächsten Campingplatz liegt der Abzweig zu dem kleinen Badeort Tizzano. Wenn man dort durch fährt und dann der Schotterpiste noch weiter folgt, kommt man zum Ausgangspunkt eines tollen Wanderwegs entlang der Küste, der zu herrlichen, einsamen Buchten und Stränden führt. Noch weiter im Süden kommt man dann an der Bucht von Roccapina vorbei. Der Weg zum Parkplatz ist mitunter eine ziemliche Tortur. Der Strand hat extrem feinen Sand (der entsprechend überall kleben bleibt), und die Bucht ist ganz flach. Auf der Landzunge zur rechten Hand ist eine Felsformation, die einem liegenden Löwen ähnelt (Lion de Roccapina). Früher gab es dort mal einen Campingplatz, der aber geschlossen wurde. Das Wildcampverbot, das auf ganz Korsika gilt, wird dort wohl mittlerweile streng kontrolliert. Als Basis zur Erkundung des absoluten Südwestens bietet sich der Campingplatz Le Damier oder, ein paar Meter weiter, der Campingplatz Kevano an. Beide erreicht man, wenn man in Pianottoli-Caldarello rechts ab fährt. Beide Plätze liegen nicht direkt am Meer, der Strand ist aber gut zu Fuß erreichbar. Ein Stück südlich liegt die Bucht von Figari, die wie ein Trichter wirkt, und daher optimale Windverhältnisse für Surfer und Kiter bietet. Von dort aus ist man relativ schnell in Bonifacio, der beeindruckenden Stadt auf den Kreidefelsen ganz im Süden. Wenn es da zu voll wird, kann man noch südlich davon eine Wanderung Richtung Leuchtturm von Pertusato machen, oder man fährt etwas Richtung Osten, zum Strand von Piantarella. Dort gibt es eine Strandbar, und man kann diverses Wassersportgerät ausleihen, oder eine Bootstour zu den Lavezzi-Inseln machen. Vor fünf Jahren (also noch ohne Kinder) hatten wir uns einen kleinen Strandkatamaran ausgeliehen und sind Richtung Ile Cavallo gesegelt. Kurz vor dem Strand gibt es noch einen Campingplatz (Camping des Iles), der eine Alternative zu Damier/Kevano wäre. Eine weitere Alternative liegt etwas weiter nördlich an der Ostküste: Der Camping Rondinara oberhalb der gleichnamigen Bucht, die fast einen perfekten Halbkreis bildet. Dieser Platz ist sehr komfortabel mit Laden, Restaurant und beheiztem Pool. Allerdings ist er sehr terrassiert und war letztes Jahr auch im September noch sehr voll. Das fanden wir irgenwie unentspannt, weil man ständig schauen musste, wo die Zwerge rumturnen. Leider liegt er nicht direkt am Starnd, und man sieht das Meer nicht. Die Zufahrt von der Hauptstraße aus windet sich ziemlich lang durch die Macchia. Noch etwas nördlicher, in der Bucht von Porto-Vecchio, liegt der Campingplatz Golfo-di-Sogno. Er ist sehr groß, aber in der Vorsaison sollte es gehen. Es gibt einen Minimarket und ein Restaurant. Die Stellplätze sind teilweise direkt am Strand an der der ganz flachen Bucht, die optimal zum Planschen ist. Abends hat man einen tollen Blick nach Porto-Vecchio. Ein Ausflug dahin lohnt sich, um die kleinen Gassen in der Altstadt zu erkunden, wo es viele nette Restaurants und Bars gibt. Etwas südlich von Porto-Vecchio liegt der sehr bekannte Strand von Palombaggia, der je nach Saison entsprechend besucht ist. Für heiße Tage bietet sich ein Ausflug ins Hinterland an, z.B. den Fôret de l´ospédale. Dort gibt es eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall, den Piscia di Gallo, oder "Hahnenpiss". Etwas nördlich vom Campingplatz Golfo-di-Sogno folgen beim Strand von Villata zwei weitere Campingplätze: Der Campingplatz Villata hat einen kleinen Extrabereich mitten in den Dünen, direkt am Strand. Die sanitären Einrichtungen dort sind aber wohl überschaubar. Auf dem anderen Platz, dem Camping California, waren wir letztes Jahr. Eigentlich ist es ein schöner Platz, fast direkt am Strand. Allerdings war er mit knapp 40€/Nacht extrem teuer. Auf anderen Plätzen hatten wir teilweise nur um die 20€ gezahlt. Außerdem war am Strand sehr viel braunes Zeugs (Tang?) angespült, was in der Sonne vor sich hin gemodert und gemüffelt hat. Wir sind deshalb am nächsten Tag weitergefahren. Was man auf Korsika unbedingt machen muss ist "Gumpenhüpfen", also Baden in einem der tollen Bergbäche. Es gibt viele tolle Badestellen, allerdings ist das teilweise schon mit Canyoning vergleichbar, und nicht unbedingt (Klein-)kindertauglich. Wir waren letztes Jahr auf dem Campingplatz U Rosumarino, der am Flüsschen Solenzara direkt an einer Badestelle liegt, die auch für die Zwerge geeignet ist. Wichtig: man darf nichts vor dem Bus liegenlassen (Essen, Müllbeutel etc.), weil es sehr unerschrockene Füchse gibt, die sich nicht scheuen, die Krümmel unterm Campingtisch aufzulesen, während man sich abends sein Pietra (korsisches Kastanienbier - lecker!) schmecken lässt. Von dort aus führt die kleine Bergstraße weiter hoch zum Col de Bavella, wo man kleine Wanderungen in den bizarren Felsformationen machen kann. Auf dem Weg zum Pass kommt man an vielen Bergbächen vorbei, u.a. die Cascades de Polischellu, in denen man canyoningmäßig hochwandern kann. Zurück geht es dann teilweise per Sprung oder über natürliche Wasserrutschen in die nächste Gumpe. Mit den Kindern haben wir das aber letztes Jahr nicht gemacht. Noch ein Stück hinter dem Col de Bavella, bei Serra di Scopamène, gibt es eine Eselsfarm mit schönen Tieren. Wegen der kleinen Straßen ist man aber ziemlich lang unterwegs. Die Farm könnte man auch von Propriano aus besuchen. Fährt man zurück ans Meer und dann Richtung Bastia, folgt die eher flachere Nordostküste, die uns landschaftlich nicht so gut gefällt, und die touristisch deutlich mehr erschlossen ist. An den langen, breiten Sandstränden gibt es wohl aber noch einige schöne Campingplätze. Wir hatten vergangenes Jahr als letzte Station vor der Fähre den Campingplatz Merendella bei Moriani-Plage gewählt. Er ist sehr groß, bietet aber einige Stellplätze direkt am Strand. Leider war letztes Jahr Ende September die Strandbar schon geschlossen. Von dort aus ist man auf den guten, teilweise autobahnartigen Straßen in einer knappen Stunde am Fährhafen in Bastia. Infos rund um Korsika, auch zu allen anderen Campingplätzen, Badestellen etc. gibt es auf paradisu.de Liebe Grüße und viel Spaß auf Korsika von KNOX und Crew
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    Also wenn du kein Reisejournalist werden willst, dann wünsche ich mir dich als meinen nächsten stellplatznachbarn. Bier bringe ich mit. Und dann redest du und ich höre zu. Grüße Stan
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    😂 Ich glaube, dass ich dafür nicht tauge und dass meine geistigen Ergüsse dafür nicht die nötige "Tragweite" haben. Aber wenn es einen Teil der Caliboarder erfreut, ist das alles, was ich mir gewünscht habe. The Lost Gardens Of Heligan Produkte aus UK verbindet man gemeinhin zwar weniger mit Formschönheit und Eleganz, dafür aber mit Solidität und Langlebigkeit und dem Verzicht auf Schnörkel. Gut, ich weiß, die Autos von "British Elend" beispielsweise nicht unbedingt, aber so im Großen und Ganzen, finde ich, schon. Mir wird dieser Umstand erstmalig im Shop des „Heligan´s Garden“ wirklich bewusst. An einem Drehständer hängen Gartenhandgeräte, wie sie wohl nur die Briten benutzen. Hacken und Schaufeln mit langen, dicken Stielen. Hässlich, unkaputtbar und gefertigt für die Ewigkeit. Wie ein London Cab. Das Areal des „Heligan´s Garden“ ist riesig und lädt dazu ein, wenigstens ein paar Stunden hier zu verbringen. Am zentral gelegenen Kinderspielplatz gibt es Hängematten, diverse Lernspiele und eine „Silent Disco“. Über Kopfhörer kriegt man zwischen Raverythmen „bee- and butterflyfacts“ aufs Trommelfell gelegt. „Bienen bewegen Ihre Flügel in Form einer liegenden 8.“ Ach was? „Schmetterlinge saugen ihre Nahrung durch eine Röhrenzunge!“ Tatsächlich? „Und sie haben eine Flügelschlagfrequenz von ca. 25 Hz!“ Da schau her... Wirklich nett gemacht. Wir schlendern durch das „Lost Valley“ und über eine burmesische Seilbrücke in Richtung einer Nutzviehfarm mit verschiedenen Schweinerasse, riesigen Büffeln und typisch englischen Schafen und irren anschließend, unbeabsichtigter Weise, durch einen Dalienzuchtwettbewerb. Blumen tangieren mich grundsätzlich zwar eher peripher, aber was hier so rumsteht, ist schon abgefahren. Nele will sie alle mitnehmen. Als Geschenke für die Omas. Woher kommt das wohl, dieser etwas “rauhe” Charme des Empires? Wieso ist hier alles ein wenig anders, als woanders? Wieso würzen sie ihre Lammrippchen mit Minzmarinade? Ich bin für kulinarische Experimente durchaus zu haben, aber mal ehrlich: Das kann man nicht essen. Ich habe es gestern probiert, keine Chance. Liegt es tatsächlich am Inseldasein? Lizard Point Claudia möchte Cream Tea trinken. Ich verstehe das anfangs nicht, bin ich doch der Meinung, dass wir nun nicht wirklich jedes Klischee bedienen müssen und das wir bei Bedarf auch daheim einen mit bröseligem Blattwerk gefüllten Löschpapierbeutel in lauwarmes Wasser hängen können. Nach einem Augenrollen bekomme ich aber die Erklärung, dass “Cream Tea” hier eine absolute Spezialität sei, man das unbedingt machen MÜSSE und die zwei Worte weiterhin die Umschreibung für mehr als nur ein Heißgetränk seien, da zuzüglich noch Scones, Streichrahm aus unpasteurisierter Milch und Konfitüre gereicht werden. “Na juhu. Ein Bierchen wäre aber auch was Feines jetzt….” Irgendwie ist die beste aller Ehefrauen aber gerade nicht zum Scherzen aufgelegt und wer bin ich, mich ihren Wünschen entgegen zu stellen. “Two of those...ähm… Cream Tea please.” Wir bekommen eine Nummer und den Hinweis, dass wir aufgerufen werden, wenn “es” fertig ist. “Na jetzt geht´s aber los.” denke ich. “Muss die Hefe noch gehen?” will ich fragen, werde aber von meinem Weib an unseren Sitzplatz gezerrt. Gute zehn Minuten später erfüllt ein “eightysix” die Sitzreihen und ich hechele mit unserem Ticket zur Ausgabe. Als ich das Tablett mit dem Doppelcreamtea anheben will, glaube ich an einen üblen Scherz. Als wäre es am Tresen fest gespaxt. Ich stemme mich etwas fester gegen die Schwerkraft, kriege die Fuhre gehoben und taumele damit zum Tisch. Vor uns stehen zwei Tassen Tee, ein faustgroßer Becher Butter und ein ebenso großer Becher Konfitüre. Daneben liegen vier leicht angeschwärzte Teigklumpen. Jeder so groß wie eine Riesenkartoffel und jeder so schwer wie eine Bowlingkugel. Scones haben in etwa die Dichte von Quecksilber, sind aber nicht ganz so giftig. Wir brechen uns jeder ein Stück ab, streichen großzügig von dieser “cream” und auch der Konfitüre drauf und beginnen zu kauen. Und kauen. Und kauen. Es wird immer mehr im Mund, bis ich glaube zu ersticken. Hastig gieße ich brühend heißen Tee hinterher, der der ganzen Sache eine kleisterähnliche Konsistenz verpasst. Irgendwann gelingt es mir, den Komplettklumpen hinunterzuwürgen. Wie eine Anakonda, die eine Antilope frisst. Von „Baskin sharks“ habe ich noch nie etwas gehört, also bemühe ich Google um aussagekräftiges Bildmaterial und bin beeindruckt. Beim Beobachtungspunkt „Lizard Point“ soll man diese Riesenhaie angeblich sehen können, allerdings ist es dafür schon zu spät im Jahr. Wir fahren dennoch früh morgens dort hin, um ein wenig „wildlifespotting“, wie es hier heißt, zu betreiben. Man könnte auch sagen: Glotzen. Am Aussichtspunkt ist es um diese Zeit noch wunderbar ruhig. Nur ein spotter-Kollege des “Nature Trust” sitzt noch da und sucht mit seinem Spektiv die Wasseroberfläche ab. Claudia findet nach einer Weile zwar einige Seelöwen auf einem Felsen liegen, sonst gibt es aber aus der Tierwelt nicht viel mehr spektakuläres zu sehen. Die Küste hingegen ist der Hammer, sowie Cornwall insgesamt. Leuchtend grüne Wiesen, schroffe Klippen und Straßen, bei denen man sich denkt: „Welche Straßen? Ich sehe wohl ein Grabensystem, von Straße kann hier allerdings nicht die Rede sein.“ Das Navi zeigt für 34km eine zu erwartende Fahrzeit von 55min an und wir müssen nach nun ein paar Tagen Cornwall einsehen, dass unser Navi das Ganze sehr optimistisch einschätzt. Denn allzu oft heißt es “100m vorwärts, 50m rückwärts”. Für Gegenverkehr ist dieses Verkehrssystem, wenn man es denn so nennen mag, einfach nicht ausgelegt. Und für Erntemaschinen aus dem ostwestfälischen Harsewinkel schon gleich gar nicht. Doch auch die kommen einem hier auf Ihren Ballonreifen entgegengehüpft. Dann hilft alles nichts: Schaltknüppel auf “R” und ein paar 100m rückwärts fahren. Bis eine Einbuchtung kommt. Erstaunlicherweise funktioniert das aber. Die Leute sind gechillt, keiner regt sich auf. Gegenseitige Rücksicht und alle paar Minuten eine dankend erhobene Hand. Unglaublich. Ich bin kein Freund von Schubladendenken, aber in dem Land, aus dem ich komme, würde das keine drei Minuten gut gehen.
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    Bodiam Fast wären wir geneigt gewesen, ein zweites Mal in die City hinein zu fahren. Der Stellplatz ist fantastisch und es gefällt uns hier wirklich gut. Am Morgen gibt es selbst gebackenen Schokokuchen der Platzmitarbeiter, der freundliche Herr vom Check in schaut vorbei, um sich nach unserem Wohlergehen zu erkundigen, unter den Füßen haben wir grünen Englandrasen und über unseren Köpfen scheint eine Sonne, wie sie in England angeblich nie zu sehen ist. Einen noch warmen Schokoladennukleos auf meiner Zunge zerfließen lassend sitze ich im Klappstuhl, sehe Nele und Claudia beim Frühstücken zu und denke: „Ja, ich bin glücklich.“ Wir entschließen uns dann aber doch zur Weiterfahrt. Es ist selten gut, ein schönes Erlebnis verdoppeln zu wollen und zu viele interessante Spots liegen noch vor uns. Wir wollen uns die Südwestküste erschließen und auf dem Weg dorthin, das ist mein Wunsch, Bodiam Castle besichtigen. Vor 25 Jahren war ich schon mal dort und habe das Gemäuer in allerbester Erinnerung. Es ist die Burg des Sir Edward Dalyngrigge und in Ihrer Geschichte geht es vorrangig um den Hundertjährigen Krieg, um Bauernaufstände und um die Franzosen. Wir verbringen einige Stunden dort, vermessen den Innenhof und zählen Feuerstellen (Spielangebote für die kleineren Besucher) und erarbeiten uns so sogar eine Medaille. Nele ist begeistert. Vor der Burg werden diverse Spielereien und Basteleien angeboten. Unsere Kurze bastelt ein Katapult und ich versuche mich im Bogenschießen. (Nein, ein Naturtalent bin ich nicht.) Gegen späten Nachmittag brechen wir auf, uns einen Übernachtungsplatz zu suchen. Wir durchfahren einige kleine Dörfer und verwunschene Alleen, bis ein „Wuuaaaahh“ von Claudia und ein darauf folgender dumpfer Schlag kleinste Glassplitter durch das geöffnete Beifahrerfenster ins Auto fliegen lassen. Ich sehe im Sekundenbruchteil darauf unseren rechten Außenspiegel auf der Scheibe der Beifahrertür liegen, schmeiße den Warnblinker an und parke den Bulli am linken Straßenrand. Ein Golf überholt uns und parkt sich ebenfalls warnblinkend vor uns ab. Der Fahrer kommt auf uns zu: „Ich wollte Euch nur meine Nummer geben. Ich habe alles genau gesehen.“ Ich steige gerade aus und bin mir, ehrlich gesagt, gar nicht mal so sicher, ob ich zu weit rechts gefahren bin oder mein Gegenüber zu weit links. „Has it been my fault or his fault?“ begrüße ich charmant den Golf-Fahrer. „No no, definetely his fault. Let me write down my mailadress.“ Er hinterlässt seine Kontaktdaten und bittet mich mehrmals, ihn zu kontaktieren, wenn ich seine Hilfe brauche. Langsam kommt mir das vor wie ein Trickbetrug. Ich habe mich schonmal auf einem Rastplatz auf der A3 tüchtig verarschen lassen und bin nur dank grandioser Hilfe der Autobahnpolizeidienststelle Medenbach "sauber" aus der Nummer raus gekommen. Nicht noch mal, nicht mit mir Freunde! Ich checke umgehend alle Türen, Fahrräder, Kind und Ehefrau: Alles noch da. Geldbörse auch. Wohl doch einfach mal ein netter Mensch. Er verabschiedet sich und wir fahren weiter. Was sollen wir mit einer Zeugenaussage? Keiner von uns kennt das Nummernschild und im Zweifel... Eh klar. Und heh: Es geht um einen Spiegel. Ich bin heilfroh, dass Claudia nichts passiert ist. Das Fenster war halb geöffnet und das hätte tatsächlich „ins Auge“ gehen können. Am nächsten Tag fahren wir zu „Eurovans“ nach Eastbourne. Ich lege unsere „Zulassungsbescheinigung Teil II“ auf den Tresen und ein erneut überdurchschnittlich gut gekleideter Herr hört sich meine Ersatzteilwünsche an, entschuldigt sich für zwei Minuten und geht ins Lager. Während meiner Wartezeit kommen nacheinander zwei weitere, überflüssig zu erwähnen, dass sie fantastisch sitzende Maßanzüge tragen, Herren auf mich zu und fragen, ob mir schon geholfen wird. „Yes“ grinse ich Ihnen debil entgegen, bevor dann auch wieder „mein“ Anzugträger erscheint. Ich liebe diesen britischen Style. Hier hat es nicht diese gläserne, chromblitzende VW-Verkaufsarena Deutschlands, wo einem ein Youngstar-Schnösel in Essengeldturnschuhen versucht, die Welt zu erklären. Hier steht ein gestandener Mann mit besten Manieren hinter einem schlecht weiß gestrichenen Tresen mit Lacknasen, der eben nach purer Werkstatt riecht (Der Tresen, nicht der Mann), und besorgt einem innerhalb ein paar Minuten die Teile, die man benötigt. Lagerhaltig! Wir hatten uns bereits auf einen Tag Wartezeit eingestellt. Daraus wurden, ich schätze, zehn Minuten. Dann liegen zwei Gehäuseteile und ein Spiegelglas vor mir auf dem Tisch. Mein Gegenüber schaut mich allerdings etwas verunsichert an: "I´m not sure... Ihr Fahrzeug ist ja ein Linkslenker. Bei uns hier ist der rechte Spiegel als "Spiegelglas Fahrerseite" eingetragen. Sieht der anders aus als Ihrer vom Festland?" Er hält mir das Glas entgegen und ich blicke abermals in ein fragendes Gesicht. In meins. "Keine Ahnung, ein Spiegel halt." ziehe ich ratlos die Schultern hoch. "But an english mirror is much better than no mirror." versuche ich die ratlose Stille mit Worten zu füllen. "Let´s try it out." spricht der Verkäufer und bedeutet mir, ihm zu folgen. Wir gehen gemeinsam zum Bulli, er hält das Spiegelglas in unser Bruchgehäuse an der rechten Tür und ich nehme auf dem Fahrersitz platz. "Looks pretty much the same to me." nicke ich ihm zu. Er lächelt. "Brilliant. Anything else I can do for you?" "Ja." will ich sagen. "Bitte, eröffnen sie eine Werkstatt in Deutschland. Möglichst zentral. Wir sind es nicht gewohnt, zuvorkommend behandelt zu werden und auf Mitarbeiter zu treffen, die sich Zeit für unsere Probleme nehmen. Was halten sie von, sagen wir, Fulda?" Nach weiteren fünfzehn Minuten war alles montiert und der rechte Spiegel wie neu. Wir zogen, äußerst dankbar, weiter. Der Weg nach Land´s End zieht sich jedoch, so dass wir an der East Fleet eine Pause einlegen. Claudia sucht einen Platz heraus und als wir ankommen, sind wir erneut begeistert. England ist Camperland. Die Plätze sind bislang durchweg top und sauber. Waren wir in Italien und selbst Frankreich bislang froh, überhaupt eine Klobrille auf der Keramik vorzufinden (von Toilettenpapier reden wir ja gar nicht...), gibt es in England Plätze, die unseren hygienischen Vorstellungen durchaus eher entsprechen. Und alles in einem Zustand, der keine Wünsche offen lässt. Hier auf der Insel kommen uns Bullis entgegen, wie wir sie in dieser Dichte und auch in dieser Vielfalt auf dem Festland bisher nie erlebt haben. Mein persönliches Highlight heute war eine T4-Limousine im shabbychic-Look: Doppelachse hinten, sicher um die 7m lang und von Rost geprägt. Aber auch aktuelle Umbauten auf T5.1, T5.2 und T6 fahren hier rum. Und mit absolut interessanten Ausbaukonzepten. Am Anfang unserer Reise haben wir uns einige Male gefragt, ob wir nicht doch besser hätten andersherum fahren sollen: Schottland im Sommer und Richtung Herbst hin Sardinien. Aber wir wollten eben die Highlands Ende August, Anfang September erleben. Das war der Grund. Und aus momentaner Perspektive ist das genau richtig so.
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    Bréhémont Leises Geprassel auf die Bullikarosserie weckt uns, bevor die Wecker klingeln. Ich öffne das Heckrollo und blicke auf drei Fahrräder und eine besprenkelte Kofferraumscheibe. Aber es bleibt bei einem kurzen Schauer, so das wir eine Stunde später schon aufbrechen können. Dem nächsten Schloss entgegen. Wir verzichten erneut aufs Frühstück und vertrauen auf unser Glück, an einer Patisserie vorbei zu kommen. Aber in Frankreich braucht es dafür gar kein Glück. Schon nach wenigen Fahrminuten bremsen wir ein an einem kleinen Gebäude in Bleré, stellen unseren mobilen Wohnraum ordnungsgemäß ab und laben uns an Tartes, Quiches, Eclairs und wunderbarem Kaffee. Eine weitere Stunde später stehen wir auf dem Parkplatz des Märchenschlosses Chateau d´Ussé. Man sieht es schon bei der Zufahrt durch den Ort und, Leute, es tut mir leid, aber mir fällt kein anderes Wort ein: Es ist malerisch. Der Parkplatz ist kostenfrei und der Eintritt beträgt faire 14 Euro pro Adulte und für die Enfants unter 7 ans bezahlt man nichts. „Fantastique“ denke ich, das schont unsere Klassenkasse. Seine Grundlagen fand das Schloss Ussé auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Burg im 15. Jahrhundert. Es wurde über die weiteren Jahrhunderte fortwährend erweitert und verändert und ist heute der Inbegriff eines klassischen Märchenschlosses. Der Schriftsteller Charles Perrault soll sich hier zu der französischen Dornröschen-Variante inspiriert haben lassen. Dornröschen heißt hier allerdings Aurora und die Erzählung „La belle au bois dormant“, „Die schlafende Schöne im Wald“. Wir hatten von alldem nicht den blassesten Schimmer aber es spielt uns natürlich ungemein in die Arme. Nele ist hellauf begeistert und marschiert uns voran. Schloss Ussé ist nach wie vor in Familienbesitz und wird zu einem kleinen Teil auch noch bewohnt. Den größten Teil allerdings widmen die Eigner der Öffentlichkeit und haben mit Figuren und Tafeln versucht, die Geschichte Auroras in die Schlossmauern zu bringen. Die Ausstellung beinhaltet einerseits die dargestellte Märchenerzählung, andererseits aber Waffensammlungen, chinesische Vasen, syrische Truhen, Wandteppiche und alles, was Geschichtsinteressierten die Kinnlade fallen lässt. Und nebenher haben die Kleinen auch was zu gucken und langweilen sich in keinster Weise. Ein schönes Konzept. Neben dem Schloss selber gibt es noch die ehemalige Pferdestallung, eine Kapelle, die Weinhöhlen und den Kerker zu besichtigen. Nele fotografiert mit ihrem eigenen Fotoapparat jede Kutsche und jeden Sattel und ist happy bis über beide Ohren. Auf dem Weg zum Ausgang schmiedet sie einen Plan: „Ich wünschte, wir würden in einem Schloss wohnen!“ Während ich mich noch über die grammatikalisch korrekte Anwendung des Konjunktivs freue, fährt sie fort: „Ich wäre die Prinzessin, Mama die Königin und Papa der Schlossgärtner.“ Ich bin erstaunt. „Und ich könnte mich in den Bäumen verstecken, mit einer Zwille, und allen Gästen, die meinen Rasen betreten, einen Stein an den Poppes schießen?“ Nele freut sich: „Ja genau.“ Beim Weg durch den Garten und an der Orangerie entlang frage ich mich, wie das alles mit 14 Euro pro Erwachsenem zu finanzieren ist. Die Anlage ist in einem top Zustand und man sieht ihr an, das täglich Hand an ihr angelegt wird, um den Zustand zu erhalten. Auch die Preise an der Tourifutterstelle vor dem Schloss sind human und das Essen ist, ich bin erstaunt, wirklich gut. Ich bin in meinen zwanziger Jahren (Das klingt nach Altersweisheit... ) beruflich oft in Frankreich gewesen und hatte hieraus immer eine gewisse Antipathie gegenüber dem Land und seinen Bewohnern. Ich war der Meinung, das man ein Land wirklich kennen lernt, wenn man mit den Landsleuten zusammenarbeitet. So habe ich mit griesgrämigen Druckinstruktoren aus Paris Bekanntschaft geschlossen, den miesepetrigen Elektriker aus Rennes kennengelernt oder mich mit dem Drucker in Nantes gestritten. „Das ist Frankreich“ habe ich gedacht. Schlechte Laune, mangelnde Arbeitsmoral, und wenn ihnen was nicht passt: Streik. Das war meine Sicht auf Frankreich. Ich habe, bisher, allerdings nie ein Grimbergen in einem goldberändertem Kelch an einem Campingimbiss von einem freudig strahlendem Franzosen entgegengenommen, um anschließend einem Unpluggedkonzert zu lauschen. Ich bin, bisher, nie mit dem Rad an der Cher entlang gefahren und von jedem, wirklich jedem, mir entgegen kommendem mit einem herzlichen „Bonjour“ begrüßt worden. Und ich habe, bisher, nie diese wunderbaren, kleinen Städte mit ihren unfassbar gepflegten Straßen und Blumenrabatten gesehen. Und langsam dämmert es mir: Bin ich, wenn ich auf der Arbeit bin, wirklich repräsentativ für das Land, in dem ich lebe? Oder treibt mich vielleicht Konkurrenzdenken gegenüber meinen Kollegen? Oder gegenüber des Typen, den sie extra aus Deutschland hier her geschickt haben? Oder mag ich meinen Job gar nicht? Fragezeichen an Fragezeichen reiht sich aneinander. Aber fest steht: Ich lag völlig falsch. Frankreich ist ganz wunderbar. Man muss nur, und das kann man wohl allgemeingültig betrachten, an die richtigen Leute geraten. Und an die richtigen Tartes.
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    Montevecchio Das Bergbaugebiet um Montevecchio wollen wir uns genauer ansehen. Wir verzichten auf ein ausgedehntes Frühstück, greifen nur pünktlich zur Ladenöffnung zwei Cappuccini, drei O-Saft und drei Brioche ab und machen uns früh auf den Weg dorthin. Mutterseelenallein fahren wir die staubige Wellblechpiste in Richtung Meer, biegen dann rechts ab Richtung Norden und treiben den Bulli bergan und bergab bis zur ersten Furt. Wir halten uns natürlich an die weltweit gängige Vorgehensweise bei Bullifahrern und Furten: ER sagt zu IHR in unmissverständlichem Tonfall: „So, da müssen wir jetzt durch.“ und täuscht wichtige Geschäftigkeit vor. Knöpfe drücken, Beil aus dem Kofferraum holen, sowas halt. SIE blickt dann von ihrem Telefon auf nach vorne, zu ihm, zurück nach vorne, zurück zu ihm und sagt: „Ja und? Mach!“. ER sagt dann sowas wie: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir das schaffen. Könnte sein, das wir dabei drauf gehen.“ Der Ton verfällt in eine rauchig-kehlige Stimme und wer einen Bart hat, kratzt sich dabei das behaarte Kinn. Daraufhin rollt sie die Augen, nimmt die nackten Füße vom Armaturenbrett um sie in die Badeschluppen zu stecken, öffnet die Tür und durchwatet die knöcheltiefe Laune der Natur. Drüben angekommen, bedeutet sie IHM, dass es jetzt sooooo schlimm eigentlich gar nicht ist und ER das heiligs Blechle relativ beruhigt durch die Pfütze manövrieren kann. ER zögert daraufhin, wägt erkenntnisreich verschiedene Furtlinien ab, ruft dann endlich „OK. Mach aber Bilder!“ und fährt los. Als ich die Fotos auf Claudias Telefon sehe, bin ich, ehrlich gesagt, ziemlich enttäuscht. Wie verwegen komme ich mir bei der Durchfahrt vor. Wie ein echter Globetrotter. Auf den Bildern hingegen sieht die Furt aus wie ein Rinnsal im Taunus. Wenn ich das mit den Islandbildern hier im Forum vergleiche, wo Bullis bis zum VW-Emblem im Wasser stehen... Absolut lächerlich. Aber dennoch: Die Strecke von Arbus nach Montevecchio an der Küste vorbei ins nahe Hinterland ist traumhaft. An welcher Stelle man wie mit wem welchen Teil der Mine betreten darf, ist anfangs nicht wirklich transparent. Wir wurschteln uns durch und stehen schon bald in den Arbeitshallen und Wohnhäusern der ehemaligen Kumpel. Die Grube „Alessandro“ beherbergte einst die Werkstätten der gesamten Anlage. Eine Schreinerei stellte die Holzmodelle für die Gießerei her, die Gießerei fertigte die Gusskokillen, schmolz das Material und goss Rohlinge und die mechanische Werkstatt überdrehte die Rohlinge, setzte Bohrungen und führte sonstige mechanische Tätigkeiten durch. Aufgegeben in den 60ern und zum Teil originalerhalten. Mein Herz schlägt bis zum Hals. Alleine schon der Duft! „Bienchen, riechst Du das!?!“ rufe ich strahlend unserer Kurzen zu. Sie zieht die Stirn kraus und sagt: „Ja. Stinkt." Industriekultur ist offensichtlich noch nicht so ihr Thema. Unsere Weiterfahrt führt uns auf die Giara di Gesturi, eine Hochebene, auf der Wildpferde leben. Selbst hier oben hat es noch 38° C und unsere „Wanderung“ fällt nicht all zu ansehnlich aus. Wildpferde sehen wir dennoch. Ursprünglich wollten wir hier vor Ort bei einem empfohlenen Restaurant übernachten, aber der Stellplatztipp entpuppte sich als „Lost Place“ und nach kurzem Familienrat beschließen wir den Ritt an die Nordwestküste. Gegen Mitternacht werfen wir den Anker in Alghero.
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    (Nach Fertigstellung des gesamten Berichts habe ich an den einzelnen Positionen eine laufende Nummer eingefügt. Als Hilfestellung für diejenigen, die das Ganze chronologisch betrachten wollen.) Auf den Spuren vergangener Reisen haben wir dieses Frühjahr die Orte aufgesucht, die uns in früheren Jahren besonders gefallen haben. Die Tour hat genau 7 Wochen gedauert und wir haben dabei 9.547 km hinter uns gebracht. Von den 48 Übernachtungen waren wir 12 Nächte auf kostenpflichtigen Stellplätzen, den Rest haben wir frei, oder auf genehmigten Parkplätzen gestanden. Auf der Iberischen Halbinsel sind wir bis auf den Bereich zwischen Nerja und Cartagena relativ linear gefahren, in Andalusien ging es kreuz und quer, hin und zurück. Das ist auf der Karte nicht vermerkt. Ein paar Impressionen dieser Reise hatte ich schon in "Schöne Cali Bilder" gepostet, aber weil zunehmend auf den Bildern der Cali fehlt, mache ich mal einen eigenen Bericht mit nicht chronologischer Folge, so wie's mir gerade einfällt. Beginnen werde ich heute mit: Ciudad Encantada Teil 5 in der Spanischen Autonomen Region Kastilien-La Mancha Die "Verzauberte Stadt" in der Nähe von Cuenca hat einen großen Parkplatz auf dem man wunderbar ruhig übernachten kann. Wir waren völlig allein, erst am nächsten Morgen zur Öffnungszeit wurde es voll. Die bizarren Felsformationen sind mit einem ca. 4 km-Rundgang hervorragend erschlossen. Der Besucheransturm hielt sich im Mai in Grenzen. ....und das war dann noch der besondere Hammer: Morgens vor dem Aufstehen kam die Müllabfuhr, zu zweit. Der erste sammelt den Müll wie gewohnt, der zweite war eine mobile Mülltonnenwaschmaschine! Habe ich mein Lebtag noch nicht gesehen. Fortsetzung bald oder später...
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    Servus z´sam! Und hier mal etwas zur Ablenkung vom "Coronagedönse": Die Chefin kämpft sich mit Diff.-Sperre, etc., im losen Schotter die "Auffahrt" zum "Stairway to Heaven", einer Offroad-Route auf Sardinien, 8km südl. von Guspini, hoch. Runter war es dann auch nicht unspannend... Die Beschreibung ist im "Trackbook Sardinien" vom Matthias Göttenauer nachzulesen. Ach ja, und bevor jemand Bedenken äußert: Dies ist als "Fahrweg" deklariert... weiter oben stehen nämlich ein paar Antennen. Bleibt gesund, Paul und Familiy
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    Nach dem mir hier hinsichtlich der Reinigung der Dachentwässerung gründlich ins Gewissen geredet wurde, habe ich mich vor ca 2 Wochen mal an der Reinigung versucht. Irgendwie ging es nicht, zumindest auf der Linken Seite war es gänzlich verstopft. Da ich bei diesem Versuch keine weitere Ausrüstung dabei hatte, konnte ich es nicht wirklich klären und hab mich nach halb verrichteter Arbeit an was Anderes begeben Heute, dann der Zufallstreffer. Im Rahmen des Umbaus der Türlautsprecher musste ich natürlich auch den Verkleidung der A-Säule entfernen. Was ich da gesehen hatte erklärte dann alles ... Der Schlauch wurde unter dem Befestigungsblech für den Handgriff verlegt. Im montierten Zustand wird er so zwischen dem Blech und der Verkleidung platt gedrückt. Wie man auch schön erkennen kann. Nach erfolgreichem Soundupdate und der nun entsprechend korrekten Montage des Schlauches und der Verkleidung ist nun auch dieses Problem behoben und das Spülen der Leitung klappt wie zu erwarten. Wenn also bei dem Einen oder Anderen das gleiche Problem vorliegt ist dies hier ein Tipp, woran es liegen könnte. 😉
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    Strade Dosso Alto e Tre Valli, Lombardei Italien, Oktober 2019
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    Wir - und vor allem unsere Tochter - verzichten auch beim Camping ungern auf leckere Pfannkuchen zum Frühstück. Da wir bei der Kühlbox aber die kleine Variante haben, wollen wir nicht immer frische Eier einpacken. Die Lösung: Campingpfannkuchen! Zum Einsatz kommt hier sprühgetrocknetes Ei (Volleipulver) bei Variante 1 (mit Milch), ggf. zusätzlich Milchpulver bei Variante 2 (nur noch mit Wasser aufzufüllen). Wichtigstes Zubehör: ein Mixbecher, wie man ihn z. B. für allerlei Proteinshakes und Sportgetränke bekommt. Die Zutaten: Variante 1 - mit Milch 125 g Mehl (z. B. Typ 405) 20 g Volleipulver 10 g Zucker 1 Prise Salz (ggf. eine Messerspitze Backpulver) Alles vermischen und in ein Marmeladenglas füllen Vor der Zubereitung mit 300 ml Milch in den Mixbecher, kräftig schütteln, 5 min warten, zubereiten Variante 2 - mit Wasser wie oben, zusätzlich 40 g Vollmilchpulver Alles vermischen und ins Marmeladenglas Vor der Zubereitung mit 300 ml Wasser in den Mixbecher, kräftig schütteln, 5 min warten, zubereiten Hier noch mal in 6 einfachen Schritten: Voilà! Guten Appetit und viel Spaß beim ausprobieren. Falls jemand andere Varianten ausprobiert: bitte hier posten...
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    Costa Almeria - Naturpark Cabo de Gata Teil 3 Agua Amarga Hier haben wir 11 Nächte auf dem neuen Stellplatz gestanden, über Tag dann vorne am Strand oder im gesamten Naturpark rumgekurvt. Dabei konnten wir dann so "hippe" Veranstaltungen wie zum Beispiel die Hochzeit am Strand erleben. Das tägliche Leben gestaltete sich hier recht einfach, ein kurzer Gang durch den begrünten Ort oder vorn am Strand entlang und schon war man in der "City" mit mindestens 10 Restaurants. Ein Mini-Market, ein Gemüseladen und 2 Eisdielen machten das Angebot komplett. Die Besichtigung der alten Wohnhöhlen stand natürlich auch auf dem Programm, direkt davor haben wir einen Teil unserer Mitbringsel ausgegraben: Spanisches Rohr (steht jetzt auf der Terasse und ist 1m) Vorn am Strand hatten wir nicht nur nautischen Besuch, zum Glück hatten wir "zufällig" Futter dabei! Cortijo del Fraile Einer der Ausflüge ins Hinterland führte uns vorbei an den Schächten und Resten der Goldminen bei Rodalquilar zum Cortijo del Fraile, einem Ort mit blutiger Vergangenheit. Hier schöpfte der Dramatiker Federico García Lorca seine Inspirationen für das Theaterstück "Bluthochzeit". Der Ort war auch eine beliebte Kulisse für etliche Western Produktionen. Wild-West mäßig ist auch die Anfahrt über etliche Kilometer Sand- und Schotterpiste begrenzt von mächtigen Agaven. Playa Playazo Diesen traumhaft gelegenen Strand haben wir an mehreren Tagen von Agua Amarga aus angefahren. Wenn man zeitig kam konnte man direkt vorn am Strand stehen. Hier kontrollierten die Park-Ranger und die Guardia Civil im Mai schon regelmäßig am Abend damit keiner der Camper über Nacht stehen blieb. Für den Strandaufenthalt gibt es mehrere Möglichkeiten, am langen Strand, am Strand unterhalb der Festung oder auf dem felsigen Teil ganz am Ende des Hauptstrandes. Hier war man meist allein und konnte sich an den bizarren Formen der Felsen erfreuen. Von hier hat man auch einen schönen Blick zum Cerro Negro und der daneben liegenden "Hippie-Bucht" San Pedro, mit Festung und Quelle, die nur auf Fußpfaden oder vom Wasser aus erreichbar ist. Guardias Viejas Auf unserem Reiseweg, von Westen kommend haben wir vor Erreichen des Cabo de Gata wie immer inmitten der Treibhausmeere bei Almeria halt gemacht. Hier gibt's ein kleines Stück Strand (mit Duschen) an dem man noch sehr angenehm frei stehen kann, Am Morgen wird man vom Wiedehopf geweckt - Tüüd Tüüd Tüüd - und gelegentlich gibt es Besuch von der örtlichen Schafherde. Die Blumenwiese war dann allerdings hinterher nicht mehr so üppig Fortsetzung bald oder später...
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    Hallo! Da wir gerade einen Regentag haben, werde ich die Zeit mal nutzen um einen Bericht über unseren aktuellen Urlaub zu schreiben bzw. mal anzufangen- denn wir sind ja noch unterwegs.... Dieses Jahr führt uns die Reise ab Anfang Mai über den Lago Maggiore nach Korsika. Wir haben 3 Wochen Zeit (absoluter Luxus für uns), davon sind 13 Tage für Korsika geplant. Wie es danach weitergeht, steht noch nicht fest. 3.5.: Freitags abends nach der Arbeit geht es los: Das kleine Städtchen Eguisheim in der Nähe von Colmar ist unser erstes Ziel. Beim abendlichen Rundgang entdecken wir schöne alte Fachwerkhäuschen mit ganz viel Charme. Wir stehen dort auf dem recht neu angelegten Stellplatz, der 12€ kostet und über ein sauberes Toilettenhäuschen verfügt. 4.5.: Nächstes Ziel ist Cannobio am Lago Maggiore: Camping Campagna, ein kleiner sauberer Platz mit nettem Betreiber und guter Pizza. Nach dem Essen spazieren wir durch das fußläufig zu erreichende, hübsche Städtchen Cannobio. Das Wetter kann sich schlecht zwischen wärmender Sonne und ziemlich kaltem Wind entscheiden.... 5.5.: Heute ist es so stürmisch, dass wir in der Nacht das Zeltdach einfahren mussten. Nachmittags sieht der See zwar wunderschön aus, aber mehr als ein kurzer Spaziergang ist bei dem wirklich kalten Wind nicht drin. 6.5.: Es geht weiter. Nach einer ganz entspannten Fahrt haben wir bei der Ankunft in Genua etwas Stress- die Zufahrt für den Fährhafen liegt ziemlich versteckt und der Verkehr ist heftig....Schließlich sind wir aber gut am Terminal angekommen. Ab 19 Uhr dürfen wir auf das Schiff. Von hier oben sehen Hafen und Häuser von Genua nochmal ganz anders aus. Es ist soweit: Die Fähre legt ab. Bei einbrechender Dunkelheit schauen wir zurück zum Hafen... 7.5.: Nach Sonnenaufgang am nächsten Morgen kommt bald der Hafen von Bastia in Sicht. Gegen 7:30 legen wir an. Das Abenteuer Korsika beginnt.... Nachdem wir das hektische Bastia hinter uns gelassen haben, führt unsere erste Etappe über die D81 auf die andere Inselseite, bis wir nach 69 km L‘Ile Rousse erreicht haben. Der Camping Les Oliviers ist sehr einfach, aber wir stehen schön unter Olivenbäumen. Eindrücke beim Spaziergang nach L‘Ile Rousse und zurück- vom Platz aus sind es etwa 15-20 min Fußmarsch: 8.5.: Nach dem Frühstück geht es weiter nach Calvi- gute 20 km entfernt und schnell erreicht. Auf dem Campingplatz La Pinede stehen wir schön zwischen Eukalyptusbäumen. Da es sich um einen relativ zentral gelegenen ACSI- Platz handelt, ist hier etwas mehr los... Das Wetter ist heute eher trüb, aber auch bei dem bedeckten Himmel hat der Strand von Calvi seinen Reiz. 9.5.: Heute Nacht hat es geregnet und es gab ordentlich Wind, aber der Morgen sieht ganz ok aus. Wir machen uns auf den Weg nach Calvi, was über eine schöne Strandpromenade in ungefähr 20 min zu erreichen ist. 10.5.: Heute geht es weiter: Wir fahren entlang der D 81B, der Küstenstraße zwischen Calvi und Galéria. Sie ist stellenweise sehr eng, bietet aber fantastische Ausblicke. Der zweite Abschnitt der Straße hinter Galéria- es fährt sich etwas bequemer durch die immer noch atemberaubende Landschaft. Schließlich haben wir unser Ziel für heute erreicht: Den Camping Funtana a l‘Ora in Ota. Er liegt recht idyllisch und wir haben nur wenig Gesellschaft.... 11.5.: Nach dem Frühstück geht es wieder los- quer durch das Landesinnere, vorbei an der Speluncaschlucht und vielen Felsen. Abgesehen von den Kurven, der Enge und anderen Verkehrsteilnehmern darf man auch die korsischen Schweine nicht unterschätzen.... Wir passieren das Col de Vergio, bevor uns dann noch eine recht abenteuerliche Strecke Richtung Corte führt. Wir sind am Ziel angekommen: Fast allein stehen wir auf dem Campingplatz Tuani mitten im Restonicatal. Ohne Handynetz sind wir von der Außenwelt abgeschnitten. Abgesehen vom kontinuierlichen und nicht gerade leisen Flussrauschen ist es ruhig und sehr idyllisch. Ok, obwohl ich ein paar Bilder gelöscht habe und unter 6 MB liege, kommt eine entsprechende Fehlermeldung...das heißt ich mache hier mal Pause und es geht später weiter- außerdem hat es gerade zu regnen aufgehört, also fast😉 Im nächsten Teil wird es dann in die Nähe der Bucht von Propriano, Bonifacio und schließlich Bucht von Porto-Vecchio gehen, wo wir uns gerade aufhalten... Übrigens ist das hier bisher der erste richtige Regentag. Allerdings ist es auch ansonsten trotz schönem Wetter nicht unbedingt warm, da wir immer mehr oder weniger kalten Wind haben. Aber wir finden Korsika bisher super😊 Dann bis später und liebe Grüße....
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    Hallo, wer wie wir seine Schuhe gerne auf der Schiebetür-Trittstufe lagert, der sorgt sich vermutlich auch, irgendwo unbemerkt einen Schuh zu verlieren. Beim Campen mit unserem T6 California Beach haben wir oft Schuhe auf der Trittstufe transportiert, teils sogar gestapelt - zum Trocknen, wegen Dreck, usw. Dabei sind uns regelmäßig Schuhe rausgefallen. Gerne auch mal unter den Bus. Ärgerlich, weil ich mich dann mindestens Bücken oder gar unter den Bus krabbeln muss. Es ist ein Wunder, dass insbesondere bei den sehr leise fallenden Crocs (wahlweise in Wiesengrün oder Asphaltgrau) bislang nie einer zurück geblieben ist. Bei meinen DIY-Lowcost-Überlegungen ist nun die CroxBox herausgekommen: Basis ist eine Ikea-Spülschüssel. Ich habe kein anderes derart günstiges und (farblich) perfekter passendes Behältnis gefunden. Die Schüssel wird mit Spanngurten gehalten. Zwei Spanngurte laufen unter der Sitzank durch (zwischen den beiden Sitzbank-Rollen) und werden unter der Sitzbank mit den Klemmschlössern der Spanngurte gehalten. Ein dritter Spanngurt nutzt die silberne Klapp-Öse am unteren Ende der C-Säule. Kein Bohren, kein Kleben - das Ganze lässt sich (fast) spurlos wieder entfernen. Ich habe schon viel vom Forum profitiert. Ich hoffe nun, mit der Vorstellung meiner Bastel-Lösung auch etwas beitragen zu können. Vielleicht plagen jemand ähnliche Schuh-Verlust-Sorgen und ihm erscheint die CroxBox als eine geeignete Abhilfe. Falls das also jemand nachbauen möchte, versuche ich hier mein Vorgehen zu beschreiben. Zutaten: - 1x Ikea-Spülschüssel (GRUNDVATTNET, Artikel-Nummer 803.142.85, 7,99€, https://www.ikea.com/de/de/p/grundvattnet-spuelschuessel-grau-80314285/) - 3x Billigst-Spanngurt 25mm breit (Baumarkt-Grabbeltisch, ähnlich diesen: https://www.amazon.de/Star-Spanngurte-Klemmschloss-Fahrradträger-Gepäckträger/dp/B07V5P41PD (3 Stück für 11,20€)) - 3x Gurtspanner 25mm (z. B. "Stabilit Gurtspanner" von Bauhaus, Prod.Nr. 10198046, 1,99€ (für 4 Stück), https://www.bauhaus.info/klemmen-karabiner/stabilit-gurtspanner/p/10198046) Werkzeug: - CD-Marker (zum Anzeichnen der Schlitz-Positionen) - Schere (zum Schneiden der Spanngurte) - Feuerzeug (zum Ansengen der Spanngurt-Enden gegen Aufdröseln) - Flaches 30cm-Lineal (zum Messen der Spanngurt-Längen und für die Schlitz-Positionen) - Multitool mit 20mm-Säge-Aufsatz (oder ein anderer Werkzeug, um Schlitze in Kunststoff zu bekommen) 1. Vorbereitung der Schüssel: In die Schüssel kommt für jeden der drei Spanngurte ein Schlitz. Schlitzbreite = Gurtbreite + ca. 1mm für leichteres Einfädeln Schlitzhöhe = Doppelte Gurtdicke + ca. 1mm für leichteres Einfädeln Schlitz-Position = Siehe Punkt 5. weiter unten 2. Vorbereitung der Spanngurte: a) Die zwei seitlichen Spanngurte Das Klemmschloss habe ich direkt am Ende der Vernähung abgeschnitten. Die ca. 8cm dienen später als Anfasser. Vermutlich funktioniert es auch nur mit dem Klemmschloss ohne Anfasser. Vom Spanngurt habe ich je ca. 50cm verwendet. Wenn der Gurt zu kurz ist, dann wird das Durchfädeln unter der Bank zu fummelig. Die seitlichen Spanngurte ließen sich vermutlich auch ohne Zerschneiden nutzen. Dann wäre aber der Demontage-Aufwand ungleich höher (z. B. wenn die Sitzbank doch mal weiter nach hinten verschoben werden muss). b) Der rückwärtige Spanngurt Diesen Spanngurt habe ich auf ca. 55cm gekürzt. Bleibt er (zu) lang, fliegt das Spanngurt-Ende unnötig herum. Ist es zu kurz, wird das Einfädeln zu fummelig. 3. Befestigung der Spanngurte an der Schüssel: Ich habe die Spanngurte von außen durch die Schlitze gefädelt, dann durch die Gurtspanner und wieder zurück durch den Schlitz nach außen. Die Mitte des Spanngurts liegt im Gurtspanner. Die Bauhaus-Gurtspanner haben eine Wölbung, die sich bei der gewählten Schlitz-Position sehr schön in die Ecken-Radien einfügen. Dadurch steht wenig über, an dem Dinge hängen bleiben könnten. Fortsetzung folgt im nächsten Post, da ich gerade auf ein Upload-Limit hingeweisen werde. 4. Befestigung der Schüssel an der Sitzbank: a) Seitlich Die beiden seitlichen doppelten Gurtenden habe ich unter der Sitzbank durchgeschoben. Unter der Sitzbank (vorher Schubladenbox rausnehmen) habe ich die Klemmschlösser auf die doppelten Gurtenden gefädelt (Anfasser zeigt nach oben, Klemmschloss-Hebel in Fahrtrichtung nach links) und bis an die Innenseite der Sitzbank geschoben. b) Rückwärts Den rückwärtigen Spanngurt habe ich durch die silberne Klapp-Öse am unteren Ende der C-Säule gefädelt und so gespannt, dass die Schüssel dicht an die C-Säule gezogen wird. 5. Zur Position der Schlitze: Ich habe die Schüssel an die gewünschte Position gehalten und dann von innen/unter der Sitzbank ein sehr flaches 30cm-Stahl-Lineal durchgeschoben, einmal hinter dem in Fahrtrichtung vorderen Sitzbank-Rad und einmal vor dem hinteren. Da, wo das Lineal auf die Schüssel stößt, habe ich eine Markierung gemacht. Der Abstand der Schlitze zum (gedachten) Boden liegt bei mir bei ca. 15-20mm. Die Schlitze habe ich mit dem 20mm breiten Säge-Einsatz meines Multitools gesägt. 6. Disclaimer: - Wir haben die Sitzbank (im Camping-Betrieb) immer an der selben Stelle. Aufgrund der rückwärtigen Spanngurt-Befestigung würde ich die Sitzbank ohne Lockerung des rückwärtigen Spanngurtes nicht verschieben. - Die Schüssel verdeckt den Klimaanlagen(?)-Auslass unten an der C-Säule. Wir haben noch nicht getestet, wie widerstandsfähig die Schüssel (oder die Crocs 😉 ggü. der Heizungsluft sind. - Wir haben die Belastbarkeit noch nicht mit schweren Berg- oder Skistiefeln getestet. - Wir hatten unsere CroxBox jetzt drei Wochen im Urlaub und an zwei WE-Trips im Einsatz. An der Verkleidung der C-Säule ist bleibend zu sehen, wo die obere Kante der Schüssel anliegt. Vermutlich ergeben sich auch an den anderen Berührungspunkten auf Dauer Spuren. Fortsetzung folgt im nächsten Post.
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    Hi, Anbei noch ein paar Bilder von unserem Beat (Finnland, Island, Westalpen) Viele Grüsse, Flo
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    Ich hätte mal einen anderen Vorschlag: Dreht doch bitte mal das seitliche Gitter Richtung Sitz an der B-Säule um. Dann ändert sich die Richtung für die warme Luft von linksunten (Richtung Lufteinlass der Luftstandheizung) nach rechtsoben. Wenn ich es gerade richtig in Erinnerung habe, sind am Gitter unten haken dran und oben ist es nur geklemmt und lässt sich leicht entfernen. Dadurch ergeben sich bei mir die folgenden Änderungen beim Betrieb und Heizwerte: Messung bei geschlossenem Dach und ca. 6°C Aussentemperatiur, Messung auf der Küche mittels PT-1000 (Bild) Stufe 5: Es wird eine konstante Temperatur von ca. 22,5°C erreicht und die Standheizung läuft auf kleiner Stufe durch (viel besser als das ständige aus und an von vorher mit den Schwankungen) Stufe 10: Bei dieser Stufe erreiche ich jetzt Temperaturen von über 30°C, bevor die Standheizung anfängt die Leistung zu reduzieren, das passiert bei ca. 30,5°C. Für mich sind das ausreichende Werte. Bei 30,6°C hab ich aufgehört zu messen, da wurde es schon unangenehm warm. Für mein Empfinden läuft es nun so, dass ich mit dieser kleinen Änderung zufrieden bin. @Tom50354 Du hattest ja die Werte im Ansaugtrakt gemessen und mit den per VCDS ausgelesenen verglichen. Das habe ich jetzt dank neuem Interface auch gemacht. Ich habe wenn ich es genauso messe wie du, die gleichen großen Abweichungen. Viele Grüße Jörg Stufe 10: Stufe 5:
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    Norwegen ist zu allen Jahreszeiten wirklich ganz schrecklich! Bitte reist da auf keinen Fall hin!! 😉
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    Man muss dem Cockpit auch die guten Sachen abgewinnen
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    Manchmal kommt es einem vor als würden Blinde über Farben sprechen... Tut mir Leid, wenn sich das eingebildet anhört, aber glaubt doch einfach mal was, wenn es doch eh sehr detailliert und technisch erklärt wird. Schon alleine wenn man bisschen Ahnung von der Funktionsweise eines Verbrennungsmotors hat, sind die technischen Erklärungen über die Funktionsweise doch sehr ausführlich und verständlich. Der kleine Zuheizer mit seinen 4KW schafft natürlich niemals das, was der Motor selbst mit 110-141 KW schafft. Mit 110KW dauert es ca. 10-15 Minuten bis der Motor auf Betriebstemperatur ist, mit 4KW sind das dann 265-400 Minuten, also ca. 4,5-6,5 Std. Das sollte doch schonmal einleuchten, dass das nicht das Ziel sein kann. Und bei dieser Milchmädchenrechnung ist noch nichtmal der Wärmeverlust des Motors selbst, noch die Tatsache, dass die Wasserpumpe gar nicht läuft, berücksichtigt. Darum wird der Zuheizer ausschließlich dafür genutzt, um den Innenraum (Fahrerhaus) zu erwärmen. Dies geschieht über die Luftauslässe im Fahrerhaus. Damit das in einer entsprechenden Zeit funktioniert, wird dieser Innenraumheizkreis vom primären Wärmeerzeuger (Motorkühlkreislauf) entkoppelt und zwar mit einem Magnetventil, um eine „Rückerwärmung“ zu verhindern. Beim Starten des Motors wird dieses Magnetventil geöffnet und der primäre Wärmeerzeuger (Motorkühlkreislauf) arbeitet. Damit dieser Motorkühlkreislauf schnellstmöglich die Motorbetriebstemperatur von 85-90 Grad Celsius erreicht, was vorrangiges Ziel ist, gibt es einen Zuheizer, welcher als sekundärer Wärmeerzeuger arbeitet und den primären Wärmeerzeuger entlastet, indem sich der Zuheizer um die Heizung für den Innenraum kümmert. Somit kann der Motor selbst schneller auf Betriebstemperatur kommen und das Öl ist auch schneller warm. Schaltet man vor Motorstart die WWSH ein, so arbeitet der Zuheizer schonmal vor und erwärmt den Innenraum, ohne dass der Motor erwärmt wird. Der angesprochene „große“ und „kleine Kühlkreislauf“ ist etwas ganz anderes. Der kleine Kühlkreislauf ist der, wo der Kühlwasseraustritt am Motor direkt wieder zum Kühlwassereintritt geleitet wird, um eine Erwärmung des Motors auf Betriebstemperatur schnellstmöglich zu erreichen. Gäbe es nur diesen kleinen Kühlkreislauf, so würde der Motor irgendwann (relativ schnell) überhitzen. Darum gibt es in diesem Kühlkreislauf zwei Wärmeabnehmer. Einmal die angesprochene Heizung (Wärmetauscher) für den Innenraum und einmal den sogenannten „großen Kühlkreislauf“, welcher durch den Aussenkühler geleitet wird. Sobald dieser Aussenkühler zu warm wird, schaltet sich das Kühlergebläse ein. Das passiert hauptsächlich im Stand oder wenn der Fahrtwind nicht ausreicht. Die beiden Wärmeabnehmer (Wärmetauscher Innenraumheizung) und großer Aussenkühler werden durch Regelventile oder Thermostate gesteuert. Dadurch wird gesteuert wieviel Wärme wohin abgegeben wird, um den Motor immer auf optimaler Betriebstemperatur zu halten. Bei nachgerüsteten Standheizung gibt es eine Besonderheit. Wird das Magnetventil oder ein anderes Ventil mit selbiger Aufgabe NICHT nachgerüstet, so wird tatsächlich ein Teil des Motors mitgewärmt, allerdings nur durch die Wasserhydraulik, denn die Wasserpumpe für das Kühlwasser läuft nicht. Eine effektive Motorvorwärmung ist das also nicht. Andersrum wird aber die Effektivität der Innenraumvorwärmung gesenkt, weil vom Zuheizer erzeugte Wärme am Schnittpunkt zum Motor verloren geht. Das nimmt man aber bei nachgerüsteten WWSH in Kauf. Es funktioniert auch, dauert nur bisschen länger als mit entkoppeltem Heizkreislauf. Ich hoffe das war jetzt verständlich genug. Die Luftstandheizung (LSH) hat mit dieser Thematik überhaupt gar nichts zu tun. Das ist ein vollkommen anderes Thema.
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    Auf der Flucht vor dem Regen Estland, 2019
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    A cold Morning in Autumn... Viele Grüsse, Martin
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    Sardinien ... Grüße, Erik
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    Plitvice Jetzt haben wir es doch nicht mehr bis Donnerstag ausgehalten. Kurzentschlossen haben wir heute früh das Dach eingeklappt und uns auf den Weg Richtung Plitvicer Seen gemacht. Verbunden mit einem Abstecher nach Pula. Je näher wir Plitvice kommen, desto zäher wird es. Ich kurve den Bulli durch enge Bergstraßen und scheinbar längst vergessene Ortschaften, während Claudia von ihrem Telefon ein paar Infos in Sachen Kroatienkrieg vorliest . Die bosnische Grenze ist nicht sehr weit von hier und wir sehen tatsächlich auch Häuser mit Spuren von Kampfhandlungen. Wir überlegen kurz, ob wir freistehen wollen. Als dann aber der Hinweis auf dem Handy erscheint, dass in diversen Zonen noch etwa 50.000 Landminen vermutet werden, verwerfen wir den Gedanken und fahren weiter ins Camp Korana. 1996 war ich dreizehn Jahre alt und drei Wochen Urlaub waren damals eine verdammt lange Zeit für mich. Ich saß auf dem Rücksitz des Ford Escort Tournier meiner Eltern und zog mir eine ALF-Kassette nach der anderen rein. Draußen am Fenster flogen die Birkenwälder Schwedens an mir vorbei und schließlich die Hochebene Flatruet. Der Ford sah aus wie nach einem Ernteeinsatz, als wir endlich in unserem Feriendomizil, Ljungdalen, ankamen. Es war ein riesiger Abenteuerspielplatz für mich und mit heutiger Sicht denke ich, dass Schweden so etwas wie der (Achtung Neudeutsch) Eyeopener oder Gamechanger für mich gewesen ist. Wirklich. Meine prägendste Erinnerung ist, dass ich von meinen Eltern tatsächlich die Freigabe bekam, eine Wanderung auf eigene Faust zu unternehmen. Vermutlich wollten sie nur mal ihre Ruhe haben, aber mir war das ebenfalls ganz recht. In Tarnklamotten und mit Bundeswehrrucksack, gefüllt mit Kochgeschirr und allem, was ich für meinen verwegenen Trip in die Wildnis benötigte, zog ich los, den Ljungan flussaufwärts zu erforschen. Nach mehrtägiger Wanderung (etwa 25 Minuten...) bog ich dem Flusslauf folgend nach links ein und spähte ins Paradies. Es war ein Ort, den man sich schöner tatsächlich nicht vorstellen kann: Aus etwa 12m Höhe stürzt der Ljungan polternd und krachend in eine liebliche Auenwiese, um sich dort als Fluss wiederzufinden und weiter zu strömen. Ein steinernes Meer davor mit versandeter Uferfläche am Gleithang der Flusskrümmung bildet einen sonnenbeschienenen Rastplatz. Ich war fassungslos, klappte meinen Esbitkocher auf und kochte eine Tasse Tee. Die Tarnklamotten sind längst im Müll. Spätestens während meines Wehrdienstes habe ich erkannt, dass es nicht Uniformierung war, die ich toll fand, sondern das Unterwegssein. Ich denke heute noch an diesen wunderbaren Ort in Schweden. Wir streichen früh die Segel auf unserem Übernachtungsplatz und beschließen, erst mal zum Park zu fahren und dort zu frühstücken. Während auf dem Heckauszug Kaffeewasser kocht und ich für jeden ein Sandwich schmiere, steht Claudia in einer bereits jetzt schon beachtlich langen Schlange nach Tickets an. Es ist 7:00 Uhr früh und ich habe für Nele gerade die Standheizung angemacht, damit sie sich Ihre kalten Fingerchen etwas aufwärmen kann. Nach den täglich über dreißig Grad der letzten Woche sind die 13 Grad in der Früh hier etwas ungewohnt. Ich war schon lange nicht mehr in diesem Hiking-mode mit Schnitten schmieren, Eiern kochen, Kohlrabi und Taschenmesser einpacken und ich bin, zugegeben, ziemlich heiß auf den Tag. Wir lassen uns vom Panoramabus in den oberen Park fahren, weil dort wohl weniger los sein soll, und starten unseren Ausflug an den obersten Seen. Schon nach wenigen Schritten führt ein rustikaler Steg über türkisblaugrünes Wasser entlang, welches unter uns durch grasige Karstlandschaft in hunderte Finger verstreut in die folgenden Seen abfließt. Am nächsten See kommen wir an einem Schilfufer entlang und wir sehen einen jungen Hecht starr am Grund stehen, getarnt wie ein Scharfschütze. Rotfedern ringsumher und Kaulquappen, eine wunderbare Lauferei. Die Stege sind geschwungen, so dass man niemals eine lange Blickachse hat sondern nach spätestens einem Dutzend Schritte eine komplett neue Szenerie vor sich sieht. Überall Wasser. Ringsum sprudelt, gluckert, rauscht und plätschert es. Unser Weg soll uns bis zur Übersetzstelle der Elektroboote führen, von wo aus wir uns den „Großen Wasserfall“ erschließen wollen. Schaut man sich den Wikipedia-Eintrag der Plitvicer Seen an, liest man unter anderem von etwa 900.000 Besuchern jährlich. Schaut man sich die aktuellen, touristenbuhlenden Werbeseiten an, istrien-live.com als Beispiel, liest man von einem ganz tollen Besucherrekord 2018: 1,7 Millionen Besucher. „Hut ab“, mag man sich da denken. Doch: Die Attraktion geht kaputt darunter. Profitgier und kurzsichtiges Denken machen aus einer wunderschönen Landschaft einen Freizeitpark mitsamt Kloake und die Veranstalter schieben mit Unimog-gezogenen Transporthängern fortwährend Massen an Menschen aller Herrenländer in ein Biotop, welches schon längst keines mehr ist. Meine Begeisterung des Vormittags legt sich zur Mittagsrast. Am Nachmittag, auf dem Weg zum „großen Wasserfall“, schlägt sie vollends um. Ich begreife es einfach nicht. Meine Frau, meine Tochter und ich stehen auf einem Holzsteg über glasklarem Wasser in der Schlange, um einen Wasserfall zu sehen. Dieses „Woah“-Gefühl will sich bei mir, trotz kolossaler Kulisse, einfach nicht einstellen. Ich denke zurück an „meinen ersten Wasserfall“ in Schweden. Ich denke an diese wohlige Welle freudiger Erregung bei meinem ersten Blick um die Flussbiegung auf den tosenden Ljungan. Ein Augenblick, wie man ihn nur alleine erleben oder evtl mit seinen Liebsten wirklich teilen kann. Aber in einer Schlange von hunderten Menschen will es mir absolut nicht gelingen. So wenig, wie ein Koitus auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt.
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    Wer jetzt noch Lust auf mehr Bilder bekommen hat, dem wünsch ich viel Spass mit der Bildershow: Und damit kommen wir zu Ende unserer Reise durch das Wilde Schottland. Ich hoffe, es hat ein wenig gefallen. Falls ihr Fragen habt, einfach her damit 😉 Viele Grüsse, Martin
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